1o6 -Die neue Zeit. als geflügeltes Weib Fortuna selbst, oder auch Nemesis, wie Dürer warnend sie nennt. Beides führt sie in Händen, den Zügel für Ungeduld und Übermut, den kostbaren Kelch für den Begnadeten, dem sie entgegenlächelt. ,,Frena manu pateramque gerit--, den Zügel hält sie und die Schale, so lasen es Dürer die Freunde vor aus dem Polizian. In keinem anderen Stich hat Dürer sich genauer an das von der Natur Gegebene gehalten. Als Regel hat er später ein- mal ausgesprochen: ,,Aus viel mancherlei Menschen mag durch Versiendige was Guts zusammengelesen werden durch alle Teil der Glieder; dann selten find man ein Menschen, der da alle Gliedmaß gut hat, dann ein jedlicher hat sein Mangel." Ein getibter Kiinsiler dürfe ,,nit zu einem jeglichen Bild lebendige Bilder abnehmen, dann er gießt genugsam herauß, was er lang Zeit von außen hereingesammelthat." Im Gegen- saß zu solcher Regel schafft er beim Fortunablatt nicht aus der Erinnerung, sondern der Anschauung, nach dem ,,leben- digen Bild". Nichts wird frei abgeändert; die Rechte nicht, die beim Modellsiehen wahrscheinlich überhaupt nichts hielt i(den Pokal könnte sie keinesfalls so sassen), und nicht die Füße, die auf einer platten Diele standen und der Kugel- rundung sich nun nicht anschmiegen wollen. Es ist, als ob "Dürer sich vor der Natur zu retten suchte vor einer bloßen Mache, die ihm die Eingewöhnung in die Linie Mantegnas auszwingen konnte. Er mußte wieder einmal ,,von außen hereinsammeln". 4. Das Fortnnablatt enthält noch etwas, das den Forsohern viel zu denken und zu sagen gab; das ist die Landsohaft im Halbdämmer unten. Es if? (duroh F;kindke) fefigeskelIt worden, daß die L5rtlichkeit getreu bis ins Letzte das -füdtirolische .Klausen wiedergibt. Dürer kann die Gegend im Skizzenbuch