76 Wanderfahrt und Heimkehr. nicht sofort von Nürnberg nach Kolmar, wo Schongauer (gestorben 1491) damals noch lebte? Zeitlebens hat Diirer eine innige Verehrung für Schongauer gehabt, hat Blätter von ihm noch gesammelt, als er ihn( längst künstlerisch überwunden hatte. Seine Anfänge gar sind ganz verwurzelt in Schongauers Art. Die Angabe Scheurls,,der alte Diirer habe 1486 erwogen, ob er den Sohn nicht nach Kolmar zu Schongauer geben solle, mag unzutreffend sein: sie bleibt aber gleichwohl ein Zeugnis, welches Verständnis der junge Dürer für den Kolmarer Meister hatte. Warum aber ging er dann, endlich frei geworden, nicht sofort in Rich- tung Kolmar? Wollte er dem Meister nur unter die Augen treten, wenn er das F2andwerkliche von dessen eigenster Kunst ganz inne hatte? Auf alle solche Fragen gibt es nur die eine Antwort: 8uoerlässiges wissen wir nicht. Die äußere Lebensbeschreibung Diirers hat nach alledem hier Lücken. Sie stnd jedoch nicht sehr empfindlich, da uns das beste Teil, die nun einselzenden selbständigen Arbeiten des Künstlers im wesentlichen erhalten blieben. Ihnen wenden wir uns zu. 2. Die sicher besiimmbaren Werke aus Dürers Wander- zeit sind nicht zahlreich. Es is? trotzdem nicht leicht, sie ent- wicklungsgeschichtlich zu ordnen. Wir beginnen mit den zeit- lich einwandfrei gesicherten. Es sind ihrer drei, alle gegen Ende der Wanderschaft, unter der Jahreszahl 149z. Die Wiener Albertina besitzt die Deckfarbenmalerei eines läohelnden Chrisikindes mit goldener Kugel; wie die verschollenen Im- hoffschen ,,Täfelein" ist es auf Pergament gemalt. Das zweite is? ein weiblicher Akt (Paris, Sammlung Bonnat), nach der Natur gezeichnet. Das dritte und wichtigste Stück