Ja der Malersehule. 65 geliefert, eben in Dürers Lehrzeit zur Ausführung kam. Irgend eine künstlerische Kraft war also da, von der er mehr lernen konnte als nur das Handwerk. Er hat, wie das Bild seines Vaters dann zeigte, die Gelegenheit genützt. Und noch etwas anderes, für seine spätere Arbeit un- endlich wichtiges wurde ihm vermittelt: die genaue Kenntnis der Formschneidekunsk, die Vertrautheit mit allen Mitteln und Ausdrucksmöglichkeiten des Holzschnitts. Auf diesem Gebiet nun hat Wohlgemut ohne allen Zweifel etwas zustande gebracht, das mehr ist als bloßes Unternehmertum, und das ihm seine eigene Bedeutung auch in der deutschen Kunskgeschichte sichert. Den Wert seiner Leistung zu begreifen, müssen wir weiter ausholen und uns die Entwicklung der deutschen F;)olzschneidekunst bis zu diesem- Punkt Vor Augen führen. 2. Das Lesenlernen ist dem Nordländer nicht leicht ge- fallen. Es bedurfte für die Kirche, die im Buche einen ihrer besten Werber wußte, vieler Mittel, die nordischen Barbaren an das Pergament zu fesseln. Was dieses Bestreben allein aus den Schriftzeichen hierzulande gemacht hat, ist jeder Beachtung wert. Die Buohsiaben an sich, die Runen waren eine uralt nordische Erfindung. Nur die weltliche Ausnutzung dieser heiligen Zeichen, ihr Massenverbrauch war unbekannt. Um die schnelle Aufnahme ganzer Wortbilder, dem Süden seit zwei Jahrtausenden geläufig, dem Auge zu erleichtern, wandelte man die runengraden Zeichen ab durch jene Schnörkel und Haken, die den großen Vorteil hatten, die Schriftteile untereinander zu binden, wirkliche Wortbilder statt bloßer Buchskabenreihen zu schaffen, und die zudem etwas von der dem Norden eigenen Kunsiempfindung in die starren Buch- ftabengruppen hineinbrachten. 5