s6o Bei den Eltern. Rundsi"äbe und Rippen, läßt keiner Strebe mehr ihren un- gebrochenen Zug, und den Turm vollends hat es ganz und gar ausgezehrt und aufgelöst. Die Künstler, die ,,Vol1er Gestalt- waren, gingen wacker dagegen an. Ihre Gebilde, tierische wie menschliche, heilige und unheilige setzten sie hinein in das Geheck wo es am dichtesten war. Das aber ist stärkeren Triebes. Die deutsche Kunitgeschichte des 15. Jahrhunderts ist, wie im Ornamentalen ein steter Aufsiieg, so im Figiirlichen bis nahe ans Ende ein steter Niedergang. Ein Manirismus greift um sich, der alle miihseligen Errungenschaften bildlicher Gestaltung wieder wanken macht. Folgen wir dem Gang der Dinge, so meinen wir, nur wenige Jahrzehnte der Entwicklung damals müßten hingereicht haben, auch den letzten Rest noch zu vertilgen. 4. Das ist der Augenblick, in dem der junge Dürer einseizt, und mit ihm eine Kraft, die nicht zu brechen ist. Von Anfang an zeigt er den unbeugsamen Willen zur GesiaIt. Es be- herrscht ihn wie ein Dämonion. Wo irgendein Mittel in Sieht kommt, gegen die Gefahr der Ornamentik anzugehen, da stürzt er Ich drüber. Mit heißem Bemühen ergründet er, was die Kunsi seiner Zeit, die nahe und ferne, an Andeutungen hergibt und baut es aus. Er geht unter die Gelehrten, wird selbst ein Gelehrter, die Gesetze des Figürlichen Ich eigen zu machen. Das läßt ihn nicht los bis an sein Lebensende, hier ringt er, wie nur je ein Mensch mit einer unsichtbaren Kraft gerungen hat. ,,Jch lasse dich nicht .Dürer stand nicht allein. Es wäre unwahr, die Arbeit anderer Künsiler, die Entsprechendes wollten, zu übersehen oder zu verkleinern. Allein in Nürnberg haben wir treibende Mächte wie Adam Krafft, Veit Stoß, Peter Vischer. Un-