Zwischen zwei Welten. II Von hier ab wird die Aussicht frei. An hunderten ge-- trennter Stellen sehen wir die Burgen, eine jede für sich, ihren Entwicklungsgang durchmachen zur Stadt. Ihr Mauerring dehnt sich, die Menschenmengen schwellen an, reicher und siraffer wird ihre gesellige Gliederung. Immer mehr ins Weite greift ihre gemeinsame Arbeit, legt Wälder nieder, entwässert Sümpfe, regelt Strom- und Flußlauf bahnt sich einen Weg zur Sonne. Das letzte geschah, als Burgskadt mit Burgiiadt Fühlung suchte, als der Organismus des deutschen Volkes sich das Or- gan eines freien Handels schuf, der ein allumfassendes- Netz aus- breitete über das Land, von siärksiem Leben durchflutet. Da hellre sich"s auf. Das sinsiere Gemäuer des alten Gottes- hauses, in das man zwischen den Flankentürmen hineinschritt wie durch ein trut5iges, turmgesichertes Stadttor, dieses Ge- mäuer selbst wurde oieltausendfach gelockert und durchbrochen, bis jener Stil gewonnen war, den sie den gotischen nennen; ein Stil der Pracht und des Reichtums der Stil eines Landes, dem Sonne ward. Z. Wir haben den Horizont abgesucht in die Runde. Nun wollen wir den Scheinwerfer wieder auf die ganz bestimmte Zeit einskellen, die wir zuerst gesichtet: das zur Neige gehende fünfzehnte Jahrhundert. Ein goldenes 8eitalter, so scheint es, war Deutschland geworden. Sonne lag über den Landen: war Sonne auch in den Herzen der Menschen? Das is? ein merkwürdiger Gegensatz, den uns die schlichte Frage zeigt. Kunstwerke sind wir gewohnt als den klarsten Ausdruck eines 8eitgefiihls zu begreifen. Hier aber scheinen die große Kunsi und das Volksgefühl gegeneinanderges"iellt. in einem unversöhnlichen Widers"treit. Das Land selbst war- erlös? von dem lasienden Druck, der es wie ein Alb gemartert