1. Zwifchen zwei Welten. I. Die Weltuhr ging auf fünfzehnhundert. Über Deutsch- lands heiligem Boden lag prangende Sonne. Kathedralen funkelten in ihrem Licht, hoch gen Himmel ragende Bauten, deren Gleichen die Menschheit nie vordem gesehen. Welch ein Stil der Pracht und des Stolzes! Im endlosen Ge- folge seiner Bildnereien und prunkvollen Formen stand solch ein Dom wie ein Fürst inmitten eines Triumphzugs. Glanz strahlte er aus, und Glanz empfing, was in seiner Nähe wurde. Der Brunnen am Marktplatz, sprudelnd in Formenreichtum, er selbst eine steinerne oder erzene Wasser- kunst, das Rathaus dahinter, Kaufhallen, Gewandhäuser, Gildeheime, hoch gegiebelt sie alle, und bis in die schmaliten Gassen hinein Patrizierbauten mit Wappenschildern und Er- kern, geschnit3tem Gehälk und blitzenden Scheiben: so lag die deutsche Stadt in jenem Jahrhundert der Erwartung. Vom Hochland zur Küste war es das gleiche Bild. Im ganzen Deutschland gab es keinen Gan, wo nicht behaglich sich sonnende Städte die Landschaft lichter machten. Im Norden war es die Hansa, von England bis ins Russische hinüberlangend in einer einzigen gesireckten Front, die der deutschen Kultur Vormacht und Stützpunkt war. Von allen Städtern damals hatten die Hanseaten vielleicht den weitesten Blick. Seelust fegte durch ihre meisten Städte. Noch immer hat der Horizont des Meers den Menschen ein freies Denken, Ausdauer und Kühnheit verliehen. Wie offenen Sinnes der