die ganze Lebensgeschichte eines Menschen; sie lesen darin, ob sein Leben ein langer 5chmerzensweg oder ein freudenbesäter Pfad war. Die von den verschiedenen Gefühlen hervorgerufenen Muskelbewegungen hinterlassen nach einiger Zeit auch im Zustand gänzlicher Ruhe sichtbare Spuren. ,,Fühlt man die geringste freudige Regung, sagt Mantegazza, so kontrahiert sich unwillkürlich der Aufs hebemuskel der Oberlippe und ruft dadurch im Gesicht einen lächelnden Ausdruc hervor;U im AntliZ des Glücklichen, der in der Tage ist, jene Bewegungen oft zu wiederholen, wird schließlich der lächelnde Ausdruck ständig vorhalten. Wenn hingegen ein Unglücklicher aus zu oft wiederholten schmerzlich en Ursachen die Muskeln der Augenbrauenbogen und die Senkmuskeln der Unterlippe kontrahiert, bleiben endlich seinem Gesicht die Spuren des Schmerzes ausgedrückt CAbs. x2 des TiteraturiAnhangs1. All dies in der Kunst auszudrücken, ist sehr schwer und mit wenigen Ausnahmen reichen wir bis Lea: nardo da Vinci, bevor die Malkunst es vermochte, in einem vollkommen ruhigen AntliZ die gewohnte Seelen: stimmung auszudrücken. Nach ihm waren Raphael und Correggio in dieser Kunst hervorragend. Die freudige Heiterkeit der sogenannten Madonna della Scodella und die tiefe Traurigkeit der Madonna del Granduca werden ewig zwei Meisterwerke seeliskher Offenbarung bleiben2 Aber was für den Künstler schwer zu erreichen ist, entgeht nicht immer der Beobachtung und dem Vers ständnis des Beschauers. Wir kehren immer wieder zum Gleichnis des Eies des Columbus zurück Wie; viel sieht man aus dieser Welt, ohne es zu verstehen 4s4