353 schon für ihn und sein Volk und für Deutschland gewonnen zu sein schien, war die Prinzessin von Preußen nicht gewillt, ihre Hoffnungen als einen Traum aufzugeben. Die edeln Eigenschaften der drei weimarischen Fiirstinnen, verbunden mit der hartnäckigen Willenskraft Karl Augusts, sind in jenen Zeiten des Kampfes in ihr hervorgetreten und vom deutschen Volke verehrt worden. Als Gemahlin des Negenten und, nach dem Tode Friedrich Wilhelms IV., als Königin hat sie in diesem Sinne dann ihren eigenen Hof gehabt, Politik, Wissenschaft und Kunst als innig verbunden fördernd und leitend. Und als Kaiserin endlich hat sie in ihrer sich er: weiternden Machtfiille durch Widerspruch sich nicht beirren lassen. Immer wieder bewegten sich doch nur wechselnde äußere Verhältnisse um sie her, und Menschen, welche gingen, wie sie kamen, der eigne Charakter und Wille waren das Bleibende. Und so hat die Kaiserin Augusta einen letzten Wechsel der Dinge noch erlebt: den Tod des Kaisers, der ihr Gemahl, und den des anderen Kaisers, der ihr Sohn war. ZualIerleZt war ihr nichts geblieben als das Gefühl ihrer Persönlichkeit: sie ging nicht mehr, sie vermochte zuletzt die Hände nicht mehr zu bewegen, das Bewußtsein aber, daß sie die mitregierende Kaiserin sei, daß sie das Kaisertum mitgeschaffen habe, verließ sie niemals. An Politik, Wissenschaft und Kunst nahm sie Anteil wie immer. Ihre innere Lebenskraft hat niemals eine Verminderung erfahren. Wo sie zum Vorteil der Dinge ein: griff, erinnert das deutsche Volk sich ihrer in Dankbarkeit. Die Kaiserin konnte hartnäckig sein, in allem aber folgte sie idealen Vorstellungen, an denen sie festhielt, weil diese allein ihren festen Besitz bildeten. Jn ihrer unmittelbaren Nähe fanden die Weltideen Goethes einen Vertreter in Alexander von Hum: boldt. Humboldts lebensgroßes Porträt stand im Arbeits: zimmer der Kaiserin an der Ecke des Palais über dem des Kaisers an bevorzugter freier Stelle. Unter Humboldts Beirat berief sie, als Prinzesßn von Preußen noch, den jungen Ernst Curtius zum Erzieher ihres Sohnes. Diese Wahl ist von Folgen gewesen, die spätere Zeiten einmal besser würdigen werden, als die heutigen es imstande sind. Politik, Wissenschaft und Kunst in dem vom uralten Goethe gewebten Verein bilden Grimm, Aufsäye zur Kunst. 23