i34U ständnis und der geistige Reichtum, den er beherrschte, noch so groß, er eröffnete Goethe nicht die Ausblicke auf Neues, die der Verkehr mit Alexander darbot. Wilhelm hat sich zum Range einer höchsten Autorität aus eigner Natur nicht erhoben. Er fühlte sich als Kommentator der besten Dinge, die von anderen geleistet worden waren, und als Förderer der edelsten Be: strebungen im Staatsleben, er sah sich umgeben von historischen Erscheinungen, deren er nie völlig Herr zu werden hoffen durfte; während Alexander vom Gefühl getragen werden mußte, in unbekannten Stoff zum ersten Male mit formenden Händen hineinzugreifen. Alexanders Sprache ist eine selbstgemachte. Die klasf1schen Meister der deutschen Literatur hatten wenig Einfluß auf ihn gehabt. Französische Elemente sind in sie ein: geflossen, aber es sind lebendige Sätze, die er mit in Frankreich gewonnenem schriftstelIerischem Geschick aneinanderreiht und mit denen er auf die weitesten Kreise zu wirken wünscht. Wilhelms Sprache läßt den Einfluß der lateinischen und griechischen Periode erkennen und rechnet mit denjenigen Lesern allein, denen Latein und Griechisch so vertraut sind wie ihm selber. Niemand, der den Text nicht verstünde, würde Wilhelm von Humboldts Über: set3ung des Agamemnon von Äschylvs zu lesen wünschen. Alexander trifft bis zuleZt den Ton des neuesten Tages. Sein Kosmos geht nicht an die Adresse eines begrenzten Publikums: er hatte einen Ervberungszug mit dem Buche vor, das für einige Zeit faktisch die ganze Welt beschäftigte. Wir wissen, wie sorgfältig er es für diese Aufgabe auSrüstete. Wilhelm hat nie von solchen Er: folgen geträumt. Populär, in gewissen Kreisen, sind nur die nach seinem Tode gedruckten Briefe an eine Freundin geworden. Hier breitet er allerdings vor einer Dame seine Gedanken aus, bei der die Studien nicht vorauszusehen waren, in deren Mitte er die Mußestunden für diese Briefe fand. Aber die Frau wußte sich doch mit einer gewissen ästhetiscJen Geschicklichkeit in der belebten Totenstadt zurechtzufinden, in der Humboldt zu Hause war. Wilhelm von HumboldtS Statue gehörte weniger vor die Universität, obgleich er bei deren Gründung 1810 in, erster Linie mit beteiligt gewesen ist, als vor die Akademie der Wissenschaften, in der nicht gelehrt, sondern nur untersucht wird. Indem er neben seinen Bruder an seine jetzige Stelle