wären wie die Werke des Künstlers, die er anfeindet und be: neidet. Aber der Buchstabe ist tot, und das Wort ist lebendig. So verächtlich das Handwerk erscheint, welches Kunst sein möchte, so ehrenvoll ist es, wenn es bei dem bleibt, was seinem Kreise anheimfällt. Es wurzelt im Volke, es hat einen goldenen Boden. Wir bedürfen seiner, es bedingt unsre Exi: stenz, wir wären körperlich nichts ohne es, wie wir nichts geistig wären ohne die Kunst; und wie Körper und Geist sich nicht scheiden lassen, so Kunst und Handwerk; sie gehen Arm in Arm, sie brauchen einander, aber sie sind nicht dasselbe. Es gibt keine Kunst, der nicht ein gleichnamiges Handwerk zur Seite ginge, wie es kein Ding gibt, das nicht von zwei Seiten anzusehen wäre: einmal auf seine irdische Entstehung hin, dann aber auf seinen geistigen Rang unter den Erschei: nungen, auf seine Schönheit. Die Schönheit hat keinen Zweck, sie ist da, sie begrenzt sich selber, so das Werk des Künstlers; die Nü3lichkeit muß den Zweck außer sich suchen und verdient ihr Lob erst, wenn sie ihn erreicht hat. Ein Künstler kann gedacht werden, der einsam in einer Wüste arbeitend eine Statue schafft von voll: kommener Schönheit, ohne zu fragen, ob ein anderer als er und das Licht des Tages sie betrachten; ein Handwerker, der einsam fortarbeitete, ist ein Unding, ein Töpfer, der aufs Ge: ratewohl Gefäße formt, deren keiner bediirftig ist. Und dennoch sind die Gefäße, die man braucht und fortwirft, einer dop: pelten Betrachtung fähig. Wertlos im höheren Sinne zu der Zeit ihrer Niiglichkeit, werden sie nach tausend Jahren zu Monumenten vergangener Kultur, und der Geist des Volkes redet aus ihnen. So aus den handwerksmäßigen Malereien der Ägypter, ja aus den einfachen Verzierungen alter ger: manischer Aschenkrtige. Denn auch das Handwerk hat einen Geist, den unbewußten Geist eines Volkes im allgemeinen, der Künstler aber steht über seinem Volke und seiner Zeit, und was er hervorbringt, ist ein Symbol eigner Gedanken, die er seinem Volke als Geschenk in den Schoß wirft. Wo also die Kunst betrachtet wird, muß auch das Hand: Werk betrachtet werden, aber man muß sie unterscheiden, denn es entsteht sonst eine Verwirrung, welche das eine wie das 12lI