Die Kirche der Kapuziner. Die ..Fkirct)e der .Hapuziner. Bald nach Vollendung der Caridad wurde Mnrillo ein noch umsaszenderer Kreis von Gemälden übertragen, sein letztes Unternehmen dieser Art: die Altarbilder für die im Jahre 1670 vollendete Kirche der Kapuziner, vor dem Thor von Cordoba. Dort hatte man den Altar der Bildhauerei vorbehalten; hier ward ihm der ganze um- sangreiche Retablo mayor übergeben, kein stolzerer Auftrag konnte einem spanischen Maler zu Teil werden. Wie seine erste große Gemäldesolge, so war auch diese letzte der Religion des heil. Franziskus geweiht. Aber wenn er in jenen frommen Anekdoten des c1ausrro chico, erzählt im Volkston, im Vorhof verweilte, so betritt er hier gleich- sam den Ahne11saal und das Adyton: heroische Gestalten des Ordens, Gnadeuer1vei- sangen, Mysterien. Der Aufbau dieses großen Retablo erinnert noch an die mittelalterlichen Flügel- altäre. Das Mittel- und Hauptgemälde enthielt das ,,Jubiläuni des heil. Franziskns", zur Seite die Stadtpatrone: S. Justa nnd S. Rufina (sie halten zwischen sich ein großes Modell der Giralda, des Wahrzeichens von Sevilla), S. Jsidor und S. Bonaventura, über ihnen der Täufer und der heil. Joseph, und in ViertelelIipseu die heil. Felix und Antonius, beide mit dem Jesuskinde. Über dem Tabernakel war ein Muttergottesbild und ein Verouicabild, La san-ca Faz, in Oval, ein sch1nales Antlitz mit leirhtgebogener Nase und kleinem Mund, die niedergefchlagenen Augen von tief schmerzlichem Aus- druck (jetzt bei Lord Wantage). Dazu der vorher angeführte Crucifixus auf dem Kreuz des Altars. Über Nebeualtären erscheinen jene Mönche noch einmal in erweiterter Komposition; ferner vier Stücke aus dem Marieuleben: Empfäugnis, Verkündigung, Hirten, Klage. Der Ordensstifter vor dem Gekreuzigten, die Almoseufpende des heil. Thon1as von Villauueva. Und im Presbyterium S. Raphael nnd S. Michael; eine zweite Conceptiou. Bis auf wenige sind diese Werke glücklich durch die Stürme des Jarhunderts, dank dem thätigeu Eifer des Kanonikus Lopez Cepero, wenigstens der Vaterstadt gerettet worden und im Museum vereinigt. Man ist also in der Lage zu sehen, wie Mnrillo gegen das Ende seiner dreißigjährigen Meisterschaft gemalt hat. Kommt man von der Caridad, so ist der Abstand ansfallend genug. Der Wechsel figureureich belebter, oft farbenheiterer Historien ist verschwunden. Zum Teil sind es abgeschloßene Einzelfigureu; wo zur Handlung eine Mehrzahl gehört, erscheinen wenige Nebenpersonen nnd mit Fleiß zurückgedrängt. Jn vielen war er durch den Gegen- stand, z. B. die braunen Kutten, auf die einfacl)sten Farben beschränkt. Die Pinsel- führung ist breiter, rascher als sonst, und meist fehlen ganz Lasureu und Abtönuug. Man hat sie mit Tiziaus Alterswerken im C-scorial verglichen. Wenn man indes als Jnstt, Mnrillo. 10