Heilige Kinder. 27 herunter, benutzen sie auch als Spielplatz, wie Erdenkinder Heuhanfeu; schleppen das Reisegepäck der Lilien und Rosen, PalInzweig nnd Spiegel, eilen jubelnd voran und kommen begrüßend entgegengestürmt. Wie ein Schwarm Zugvögel auf ihre Jt1selftati0U niederfällt, brechen sie plöt,3lich in die einsame Zelle, staunend, scl)aubegierig lehnen sie in behaglichen Zuschauerposen über die Wolkenbriistung, an der Betrachtung dieser wunderlichen Eingeborenen des kleinen Wandelsterns sich ergöt;end. Seltener dienen sie als beseelte Reflexe des Vorgang-Z oder als instrumentale Begleitung seiner Wirkung durch deren Aufnahme ins Bild. Sie sollen es beleben, ohne es zu erweitern und seine Einfachheit aufzuheben. Auch wo sie süß oder ernst sind, bleiben sie doch durch echte Kindlichkeit wahr, iiberzeugeud. Jm Jahre 1656 schuf Murillo ein unvergleichliches Bild, den Heil. Antonius fiir die TaufkapelIe der Kathedrale. (Fig. 10). Am 21. November wurde es aufgestellt, er er- hielt vom Kapitel 10000 Realen. Eine Apotheose der Kindheit, als irdische Erscheinungs- form des Göttlichen. Es war erst ein Jahr, seit er dies höchste Ziel seiner Wünsche erreicht, den Zutritt zum größten Tempel Spaniens. Man sieht ihn nun, wie er anf- geregt durch einen solchen Austrag eine 51J, Meter hohe Leinwand! in den dämmerigen gotischen Hallen auf und abschreitet im weiten, versteinten, öden Palmeuwald, wo farbengliihende Gestalten flandrischer Glasn1alerei das lichtdurstige Auge nach oben ziehen. Da ist ihm diese Lichtoffenbarnng aufgegangen. Das eigentliche Altarbild dieser Kapelle war ja die Taufe des Heilands im Jordan, aber sie geuiigte nicht mehr. Sie hängt hoch oben unter dem Gewölbe, nun als ein bekrönender Zusatz seines neuen Bildes. Der junge Lissaboner Franziskaner kuiet tief unten in einem marmorgepflasterten, fenfterlosen, fast leeren hohen Raume, der von einer nach dem mittaghellen Kreuzgang sich öffnenden Thür fein Licht empfängt. Dieser Durchblick gen1"igte dem Ortskundigen, den Eindruck eines weiten marmorbleicheu patio zu geben, in vornehmen! schmucklofeu PalIadiostil. Hoch über dieser Thür öffnet sich eine zweite und größere nach einem ganz anders beleuchteten Raum; freilich nur im Kopf des Mannes im Dunkel da unten. Den n1agischen Schlüssel zu dieser Thiir fand der Mönch in einem auf dem wie es scheint einzigen Jnventarstiiek der Zelle, dem eisenfüszigeu Tisch (mesa do horrajo) ausgeschlagenen Folianten, dessen verziickende Wirkung der Lilienstt-aus; in der Vase versinnlicht. Diese zweite Thiir also ist ein großer Wolken:-ing, den eigentlich die Zelle nicht faßt, ein Kreis von Engeln, kleinen nnd erwachsenen. Links in seiner äußeren Rundung erscheinen sie in Dunkel eingetaucht, rechts in der inneren Fläche hell Vkfkkahlt. Dieses Licht kommt von einer Sonne, oder vielmehr, es ist eine. LikhkikMße, deren Bahn bis in die Region ewigen Sonnenscheines hinaufreicht,.und: 4"