die Entführung aus dem Sei-ail, sonst bin ich immer, wenn ich konnte, hingegangen. Brüssel, den 24. Junii1897. Nachmittags war ich in dem Ausitellungshause der jungen Brüsseler Künstlerschaft, die unter dem Namen der Esthe-tique libre zusammengetreten ist. Leider sah ich von eigentlich Müsse- lerischem fast nichts außer einigen Plakaten. Die Möbel waren nachgeahmte englische, die Fayencen und Gläser stammten aus Frankreich. Die Ausstellung hat mir viele Seufzer gekostet. Ich kann nicht sagen, daß ich mehr erwartet hätte. Namentlich die Eng- länder hätte ich so reich nicht vertreten geglaubt. Aber der Ein- druck ist so traurig wie in München. Es war durch die Bank Ausstcllnngskunst. Wir haben die Kunst für die Kirche gehabt mit tiefem ergreifendem Inhalt. Wir haben die Fürstenkunst ge- habt mit dem Nachdruck auf Prunk und technischer Vollendung aber ohne emotionellen Inhalt. Wir hatten auch eine bürger- liche Kunst, in der Schongauer, Dürer und Rembrandt die tiefste Empfindung ausgesprochen haben. Heute herrscht die Aus- stellungskunst, die es noch nie in der modernen Welt gegeben hat. Eine Kunst ohne .Heimath, ohne Anschluß, nur auf den vorübergehenden Effect gerichtet, für den an sich abstraeten Raum der Ausstellung berechnet, nicht für den eoncreten Raum der Kirche, des Palastes, des Bürgerhauscs. Und die meisten dieser Bilder können, wenn überhaupt, nur in dem abstracten Raum des modernen Museums Platz finden, das als eine üble Folge des Prineips der Ausstellung erscheint. Die Künstler, die diese Ausstellungskunst machen, sind anders beschaffen als die Geschlechter, die vor ihnen der Kirche oder dem Fürsten gedient oder sich in der freien Atmosphäre des großen Bürger-thums entwickelt haben. Sie sind weder wie die Diener der Kirche oder die freien -Helden im Bürger-thnm durch die lciutcrnde und erhebende Macht religiöser Stimmungen gegangen, noch haben sie in einem Mi- lieu der Größe gelebt, das dem Fürsken nnd seinem Hof eigen war. III