aufgehalten worden war, mit erneutem Eifer fortgesetzt worden. Es wurde vornehmlich das Wiener Becken und das Land nördlich der Donau besiedelt, wo der alte geistliche Grundbesitz vor dem neuen des Markgrafen und dem der weltlichen Herren zurücktrat. In diesen Gebieten wurde insbesondere der bayerische Stamm in ausgiebiger Weise herangezogen. Fius dieser Zeit erst ergeben sich verläßlichere Quellen, die uns Nachrichten über die Burg bringen. Die Quelle der Vorgeschichte unserer Burg bildet zweifelsohne die Urkunde König Heinridis II., durch die er zu Suntheim, am 1. Juli 1002 die Kriegsdienste eines der Tapfersten aus seiner Gefolg: schaft belohnt. Er schenkte nämlich seinem Ritter namens Pilgrim, anerkennend dessen Kriegs- dienste und mit Rücksicht auf seine wziemlichew Bitte ein Gut seines Eigens in Unvizinesdorf und überdies noch von dem zunächst gelegenen Walde hundert Mansenl). Der so großherzig bedachte miles Pilgrim war ein Sprosse des mächtigen bayerischen Grafen: geschlechtes der Vormbacher, das geschenkte Königsgut mit seiner Zugehörung lag in Lang-Enzers: dorf und die hundert Mansen des nahen Waldes erstreckten sich gewiß auch über den Bisamberg hinaus. Ob nun Pilgrim selbst zum Schutze seiner Schenkung die Feste Kreuzenstein gebaut, können wir aus Mangel an Quellenmaterial nicht erweisen. Erst mit dem Ende des XI. und zu Beginn des XII. Jahrhunderts finden wir zahlreiche Urkunden, die neben den Hufzeichnungen in Traditions: büchern über die Tätigkeit der Nachfolger Pilgrims im Gebiete der formbachischen Schenkung fiufschluß geben. Eine Melker Originalurkunde vom 10. Februar 11152) nennt zum erstenmale den Namen unsrer Feste "Grizanesteinw. Hn diesem Tage weilte Bischof Udalrida von Passau zu Weikendorf (Bezirk Matzen), weihte hier die Pfarrkirche ein und bestätigte einen Zehenttausdv mit der Hbtei Melk. Zeuge dieser Handlung war unter anderen auch ein Urenkel jenes Pilgrim, Dietrich von Formbach, der sich nado seinem Wohnsitze nvon Grizanestein-i nennt, wie er ja auch, wenn er auf seiner Burg Viechtenstein urkundet als Dietrich von vViechtensteinw und, da er zugleich advocatus (Vogt) des St.:Niklas:Klosters bei Passau war, auch als solcher in Urkunden für die genannten Orte bezeichnet wird 3). Dietrich oder Theodorich von Grizanestein stellt zahlreiche Urkunden aus über Schenkungen in seinem Gebiete und erscheint noch häufiger als Zeuge solcher bis zum Jahre 1144. Mit Dietrich von Kreuzenstein und seinem Vetter Eckbert III. von Formbach, der im Jahre 1158 als Held in Italien gefallen war, erlosch in männlicher Linie dieses mächtige Grafengeschlecht. Hedwig, die einzige Tochter Dietrichs von Kreuzenstein, überlebte den Vater und vermählte sich (1146) mit dem Grafen Engelbert von Wasserburg oder, wie er sich nach seinen übrigen Besitzungen nannte, von Lintburg, von Hall (von Reichenhall4). Mit Hedwigs Hand erhielt Graf Engelbert das ganze Erbe Dietrichs, darunter auch Kreuzenstein. Seine letzte Ruhestätte fand Engelbert in der Pfarrkirche zu Httel am Inns). Von seinen beiden Söhnen, die wieder formbachische Taufnamen führten, übernahm der jüngere, Dietrich, nachdem sein älterer Bruder in das Kloster Reichersberg eingetreten war, den gesamten väterlichen Besitz. Riezler und Lamprecht sind geneigt, auf den Wasserburger Dietrich noch einen Sohn des gleichen Namens folgen zu lassen, von dem sodann nicht ein Enkel, wie allgemein angenommen wird, sondern ein Urenkel Engelberts, Konrad von Wasserburg, um das Jahr 1212 Kreuzenstein übernahm. Konrad, der letzte Sprosse der Wasserburger, beteiligte sich mit vielen Vertretern des vor: nehmsten österreichischen und steirischen Hdels an dem Kreuzzüge König PIndreas' II. von Ungarn und Leopolds VI. von Österreich nach Palästina. Im übrigen führte Konrad in seinen späteren Jahren ein sehr bewegtes Leben. Der beginnenden rechtlosen Zeit scheint er nicht abhold gewesen zu sein. Im Jahre 1224 mußte er wenigstens geloben, die Warenschiffe auf der Donau nicht zu belästigen. Im Jahre 1232 verlieh er dem Kloster Fittel das Patronatsrecht über die Pfarre zu Leobendorf unter dem Kreuzensteinö). Seither meldet keine Quelle, daß er Eigentumsrechte in Kreuzenstein übte. Wir finden vielmehr schon um das Jahr 1240, zur Zeit, da Konrad von Wasserburg noch am Leben war, einen Truchseß Heinrich von Kreuzensteini), ohne daß wir einen Hnhaltspunkt für I) Mon. Boica, 28, Hirsch, Jahrbuch des deutschen Reiches unter Heinrich II. i. Bildinger, Österreichisdve Gesdvidste I, Huber, Geschichte Österreichs, I. 2) Hrd-rlv des Stiftes Melk in Wien. 3) Ri ezier, Geschichte Bayerns, i, 863. 4) Riezier ibidem, i, 567. Oefele, Die Grafen von Findedzs. Lamprecht, Geschichte der Grafschaft Neuburg a. I. 5) Reithofer. Kurzgefaßte Geschichte der Stadt Wasserbnrg. 6) Mon. Boiea, i, 262. 7) Lir- kundenbuda des Landes ob der Enns, III, insbesondere Nr. 344 und 352.