im Bauernhaufe. II x.DJJ Das Bild Von Robert Mielke. Mit sechs Abbildungen. Für ländliche, d. h. im weiteren Sinne für die Kunstanschauuug von ehedem gibt das Verhältnis des Bildes zur Wohnung einen vortrefflichen Gradmesser ab. Eigentlich müßte man sagen das Fehlen des Bildes; denn dieses als Kunstwerk hat sein Bürger- recht in der Wohnung erst recht spät erworben, viel später als alle die Träger einer volklichen Kunst, die in dem vorliegenden Bande behandelt worden sind. Auf dem Lande ist dieses Recht sogar noch heute erst zu gewinnen. Wo es sich dennoch bereits einen Platz, an der Wand erobert hat, ist es meistens auf dem Wege der Unkunst, der geschmack- losen Fabrikware eingedrungen und damit der künstlerische Wert der denkbar niedrigste geblieben. Lassen sich also auf der einen Seite für die Auswahl und die Technik des Bildersch111uckes nur wenig Anhaltspunkte aus der Überlieferung gewinnen, so zeigt sich auf der anderen gerade durch das Fehlen eine kulturgefchichtliche Tatsache, die nicht für sich allein dasteht, sondern nur im Zusammenhange mit der Kunst auf dem Lande ihre Erklärung findet. Denn daß der Bildschmnck der alten Wohnung fern blieb, liegt im besonderen SkUUC TM der EIItIIJitklU1Ig des Wohnungsgedankens, im weiteren Sinne aber an der Kunstanschanung unseres Volkes in früherer Zeit. Mit anderen Worten die Frage hängF unmittelbarzusammen mit dem Verhältnis von Volk nd Einzelnen zur Kun t. Das deutsche Zi1n1ner, wenn wir zunächst einmal diesen Begriff festhalten, ist erst eine Errungenschaft der Renaissance, und auch hier nur für gewisse Gegenden oder Volks- kkekfE- Was Vor der Renaissance als Wohnraum augesprochen werden kann und von der Kunstgeschichte als ein solcher anerkannt wird, ist eigentlich nur ein SchuHraum gegen die Unbilden unseres nordischen Klimas. Die Lostrennung eines gesonderten Raumes als Wolnraun1 mit der ausgesprochenen Neigung, von diesem die Ausführung wirtschaft- lirher Arbeiten fern zu halten, bedeutet zunächst eine Abkehr von der alten deutschen Sin11esrichtung, die bei uns wie in den Frühtagen eines jeden anderen Kulturvolkes auf einen innigen und unmittelbaren Verkehr mit der Natur drang. Sie wird ein- geleitet durch das Entstehen städtischer Wohuforn1en im elften nnd zwölften Jahrhundert; aber sie hält als Nachklang des alten Naturverhältnisses in all den künftlerischen Wand- lungen an dem Gebranchsgegenstaud, dem Möbel und Werkzeug fest. Diese allein werden geschmückt, mit bildlichen Darstellungen versehen; das Bild kommt bis in das siebzehnte Jahrhundert, ja noch bis in das nachfolgende nur als Ausnahme in den Wohnraum. In den Staatszim1neru, die sich in den Tiroler und den Schweizer Bergen, in -Westfalen, FriesIaud und andern Gegenden schon sehr frühzeitig als prunkende Wohnriiu1ne heraus- bilden, gibt es wohl eine reich verzierte Täfelnng, aber kein Bild. Einen Vorläufer des SohnreV, Kunst auf dem Lande. s5