Haus und Wohnung in III alter Zeit. Von Peter Jessen. Mit fechSundvie13ig Abbildungen. Der Mittelpunkt aller Bauernkunst ist das Haus. Bilder und Bildwerke kennt und besiHt der Bauer kaum. Was er in guten Zeiten hat malen oder schniHen lassen, diente zur Zierde seines Hauses oder seines Hausrates. Denn alle seine Kunst ist im wesentlichen Nut;,kunst. Sie ist am stärksten und eigenartigsten dort, wo er seine eigensteu Bedürfnisse gestaltet, vor allem in seinem Hause. Die Möbel und Geräte brauchen auf dem Lande nicht wesentlich anders zu sein, als in den bescheideneren Hausständen der Städte. Wo der Bauer mit städtischer Kultur näher bekannt geworden ist, hat er Möbelfor1nen und Gerätthpen von dort her über- nommen und oft auch Stücke aufgeka11ft, die man dort abgelegt hatte. Auch in seiner Kleidung hat er sich nach städtischen Vorbildern gerichtet. Nur in einem ist der Bauer selbständig gewesen das ist sein Haus. Der läud1iehen Kunst, ihrer Vergangenheit 11nd ihrer Zukunft gerecht werden kann man nur, wenn man das Bauernhaus voranstellt. Die Wohnungen und Wirtschafts- rannte des Landmanus sind auf dem Lande selbst entstanden. Hier konzentriert sich seine kunstschöpferische Arbeit. Denn andere Profanbauten kennt er nicht, und seine Dorfkirche baut er nicht selbst. Seine Möbel sind meist nur soweit eigen und beachtens- wert, als sie mit der Bauweise 1u1d dem Schmuck seines Hauses übereinstimmen; erst im Rahmen des Ganzen gewinnen sie eigenes Leben. Dieses eigentümliche Leben des alten Bauer-nhauses mit all seinem Hausrat gilt es hier zu betrachten. Nicht um des historischen Wissens, sondern um der künstlerischen Anschauung willen. Das Alte soll uns eine Lehre werden. Gerade die schlichten, ein- fachen, anspruchsloseu Werke der alten ländlichen Kunst sind aus den gegebenen Be- dingungen erwachsen, aus dem heimischen, nächstliegenden Material, aus ehrlicher Hand- werkstechnik, aus den Ansprüchen des Kli1nas, des Bodens und der Wirtschaft, aus lebhaftem Formengefühl. Das sind die Grundbedingungen aller gesunden Handwerks- knnst, von denen wir wünschten, daß sie unserm ganzen Volke, den Aussührendeu und den Bestelleru, wieder selbstverständlich werden möchten. Deshalb ist die tüchtige Bauern- l-nnst unserer Vorfahren heute auch für einfache ftädtische Aufgaben lehrreich. Vor allem aber zeigt sie uns, wie es auf dem Lande ausgesehen hat, und wie es noch heute überall aussehen könnte, wenn wir die heutigen Aufgaben ebenso ernst und sachlich augriffen, wie es einst die Alten getan haben. Man sollte meinen, daß wir Deuts1he diesen Weg vom Alten zum Neuen besonders leicht finden 1niißte11, weil wir an schönen alten Bauernhäusern so reich sind wie kein