100 Ernst Kühn Gemeindebauten. In hiigeligem Gelände lege man Straßen an, die die zulässige Steigung für Fahr- Verkehr nicht überschreiten. Diese werden nicht, wie es wohl bisher der Fall war, in Richtung der größten Steigung einer Anhöhe zu führen sein, sondern in einem Winkel gegen dieselbe, gegebenenfalls in einer Serpentine. Um aber für den Fußverkehr doch eine rasche Verbindung zu haben, ordne man in Richtung der größten Steigung schmale Fußwege, eventuell Treppen an. Aber auch noch in anderer Beziehung sind die wirtschaftlich-öffentlichen Jnteressen wahrzunehmen und den örtlichen Verhältnissen aus alter Zeit mehr als bisher Beachtung zu schenken. Jn oft rücksichtsloser Weise wurden bei Aufstellung der Straßenfluchten- pläne, scheinbarer Vorteile wegen, alte bestehende, dem Orte zur Zierde gereichende Ge- bäulichkeiten angeschnitten und abgebrochen. Manches eigenartige Straßenbild ist durch diese Willkürherrscaft verschwunden und Geschmackloseres ist an dessen Stelle getreten. Jn gedankenloser Weise sind oft neue Straßen gebildet worden, während die alte Straße, die gut mit zu benutzen gewesen wäre, nur aber, weil sie den örtlichen oder Eigentums- Verhältnissen angepaßt, mit einigen Wendungen versehen war, beseitigt wurde und damit nochmals Kosten entstanden. Es erscheint als selbstverständlich, wenn gefordert wird, daß die Jnteressen der Grundstücksbesit;,er bei Aufstellung der Fluchtenpläne im Orte selbst wie im freien Felde, also die Eigentumsgrenzen, die alten Wege, Wasserläufe und dergleichen volle Beachtung zu finden haben. Erst nachdem der Willkürherrschaft der seither üblichen Planbildnngen zu Orts-erweiterungen ein Ende bereitet ist und jene alte, selbstverständ"lichen GeseHen folgende nnd einer gesunden Vernunft entspringende Methode wieder zur Geltung gekommen ist, wird ein iiberflüssiges schädliches Glied unserer heutigen Kultur beseitigt und die Fühlung mit der alten Tradition wieder hergestellt sein.