EKJ DIE Gemeindebauten. Von Architekt Ernst Kühn, Dresden. Mit achtzehn Abbildungen. I. Das Pfarrhaus. Bei uns zu Lande ist den alten Pfarrhiinfern oft eine von allen anderen Gebäuden sich merklich nnterscheidende, befcheideue Würde gegeben, die auf den Befchauenden einen wohltuenden Eindruck ansiibt nnd auf eine behagliche Jnnengestaltung schlief;en läßt. Dieser äußere Eindruck ist bei allen alten Beispielen mehr oder weniger gleich. Wohl mag der friedlichen, stillen Umgebung, dem einfachen Kirchlein und dem schlichten, von Bäumen 1md Sträuchern beschatteten Gemäuer des anliegenden Friedhofes und der alles iiberragenden Hoflinde ein wesentlicher Anteil an dieser vorteilhaften Erscheinung zuzuschreiben sein; allein das- Hain selbst, auch von der besseren Pflege, die ihm zuteil wird, abgesehen, hat bei näherem Hinsehen doch manches, was den anderen einfachen Wohi-geb"inden des Dorfes- mangelt nnd der Erwähnung wohl wert genug ist. Wie schon gesagt, befindet sich das Pfarrhaus in der Regel in der Nähe der Kirche und wird mit dieser einer bevorzugten Lage teilhaftig. J11 den gebirgigen Gegenden wählte man die Anhohe, stets aber etwa-J abseits der .Lauptftraße. Sehr oft gehören zum Pfar1-hause noch Wirtschafts3gebäude, die mit diesem ein Gut bilden. Die-Z zu besprechen, erscheint aber hier nicht angebracht, da man aus Zweek1näf;igkeit mehr und mehr dazu kommt, den Dorfgeistlihen, dessen Beruf in wachsendem Maße größere An- forderung als- ehede1n stellt, von der Felderbewirtsahaftung, die ihrerseits3 auch wieder ge- steigerte Fürsorge beansprucht, zu einheben und ihn gegen ein feste-Z Einkommen abzufinden. Was ist uns nun an den alten Pfarren lieb nnd wert, was ist an ihnen bodenwiichsig und wahr, was haben wir zu iil1erneh1uen und in der Tradition weiter zu bilden? Wenn schon dem Zugange zum Pfarrhause besondere Sorgfalt zugewendet wurde, indem man ihn breit nnd geräumig ausbildete, mit Platten pflasterte nnd zu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzte oder mit Hecken oder Staketen begrenzte, die ihrerseits wieder das sihmucke Blumen- und Ge1niisegärtchen u1nfas3ten und so dem Ha11seingang wirksam als Folie dienten, so geschah dies im besonderen Maße bei letzterem. Entweder lagerte sich vor den Eingang eine Freitreppe mit feitlichen Steinwaugeu, auf denen man Oleander oder andere Topfgewiichse aufstellte, oder man bediente sich eines Vc-rbaues. S-elteu fehlte das eine oder andere, Motiv. Wohl auch gab man dem Eingange i1n An- schluß an die Freitreppe einen Uberban. Die nmrah1nte Pforte schmückte oft einzig nur der Schluf;ftein, in dem die Jahreszahl oder ein sonstiger Zierat 5Ik