-II Der Dorffriedhof. Von Robert Mielke. SICH Mit vierzehn Abbildungen. IV Eine granitne oder andere stei11erne Mauer mit einem großen Eingang, hier ein Kreuz, das noch gerade emporsteht, dort ein solches, welches halb zur Erde gesunken ist, Grabhügel a11 Grabhügel und dazwischen einige, die fast zur Erde ausgeglichen sind, darüber eine Pflanzendecke, aus der ein Lebensbanm, eine Trauerweide, ein Holunder- oder ein Obstbaum e1nporragen das ist das Bild des typischen alten Dorffriedhofs Abb. H. Inmitten der hölzernen oder eisernen Grabdenkmäler steht die meistens uralte Dorfkirche, ein stummer Zeuge, der manches gesehen, vieles erlebt hat, der zugeschaut, wie sie Ge- schlecht auf Geschlecht in die Erde senkten manchmal in patriarchalischem Alter, häufig aber auch in der Jugend blühendem Mai, wenn Krankheiten, Krieg und andere Drangsale das Dorf hei1nsuchten. Die Dorfkirche hatte sie alle kommen sehen, wenn sich die kleinen Ärmchen voller Lebensluft reckten; sie hat sie auch auf dem letzten Gange beschattet. Dorfkirche und Friedhof gehören daher eng zusammen; will man die Poesie des alten Friedhofs schildern, muß man die Kirche in den Rahmen einbeziehen, und soll man die Gestaltung einer neuen Anlage ans dem Dorfe ins Auge fassen, so muß man auf diesen wirkungsvollen Teil eines alten Ganzen von vornherein verzichten. Das heißt nun nichts weniger, als daß die Kunst auf dem Friedhof mit neuen Gestaltungen rechnen muß, für die in der Vergangenheit nicht immer Beziehungen vorhanden sind. Bleibeu wir zunächst einmal bei dem alten Friedhof, der mitten im Dorfe liegt und ficl mit seinen Denkmc"ilern, seiner malerischen Ungebundenheit des Pslanzentvuchses so leicht als ein Ergebnis unge1oollter Kräfte zeigt Abb. Blicken wir jedoch tiefer, lassen wir beiseite, was namentlich die letzten Jahrzehnte an Geschmacklofigkeiten hier angesammelt haben, so finden wir leicht die Linien, die sich zIvanglos dem künftlerischen Bilde des Dorfes und des Bauernhaufes in den deutschen Landschaften angliedern. Mar- morkrenze, gußeiferne Erbbegrcibnifse, bildnerifche DarstelIungeu von zumeist sehr frag- würdigen! Werte haben auch hier die Gruudsti1umung gefälscht und die iisthetische Wir- kung häufig durch das Bild der Berwahrlosung, des Vergehens inmitten einer über- reichen Vegetation, einseitig gesteigert. In Wirklichkeit ist das Bild des alten Dorffriedhose-J ein anderes, wenn es auch nicht immer dem entspricht, das wir uns aus Grund einer stc"idtischen Friedhofsanlage mit ihren Denkmiilerreiheu so leicht machen. Das 1ueiste, das wir hier sehen, und das auf Bahnen fortentwickelt ist, die sich ohne Schwierigkeit auf klafsische und italienische Vorbilder zurückleiten lassen, kennt der alte Dorsfriedhos nicht. Dagegen kommt die Neigung des Deutschen zum Jutimen, zum Familienhaften so recht