56 Hans Lutsel Die Dorfkirche. Halberstadt und Naumburg an der Saale, für Abend1nahlsfeiern und Trauungen vor- behalten. Für die evangelische Pfarrkirche in Wohlau in Schlefien ist der beachtens-werte Vorschlag gemacht, den langgestreckten Chor durch Aufstellung der Orgel zu kürzen und dafür die Westen1pore zu Sitg,plät;,en voll auszunutzen. In der reformierten Stadtkirche in Herborn im Westerwalde ist tatsächlich der über die zwei zwischen ihm und das Langhaus eingebauten Türme weit herausragende Chor im Rücken des Altares zu Sitz- plätZ,en ausgenutg,t. So läßt sich bei mittleren Verhältnissen und bei einigem guten Willen wohl stets eine das Rau1nbedürfnis befriedigende Lösung erreichen, wofern die Aufgabe von geschickter Hand vorbereitet wird. Für die einzelnen Provinzen des preußischen Staates sind zu diesem Zwecke Pro- vinzial-KonserVatoren1, für die beiden hessischen Bezirke Bezirks-Konservatoren, für den Regierungsbezirk Hohenzollern ein Landes-Konservator bestellt, die als Beauftragte des Staats-Ko11servators in Berlin verpflichtet sind, wo der Umbau einer Kirche und die Erhaltung ihrer Ausstattung in Frage kommt, den Gemeinden ihren Rat unentgeltlich zur Verfügung zu stellen; ähnlich im Großherzogtum Hessen. Zur Ausarbeitung des Entw11rfes sind sie nicht verpflichtet. Es kann den Gemeinden nicht gering empfohlen werden, sich schon im Anfange der Planung eines U1nbaues mit ihnen in Verbindung zu sehen, um Weitläufigkeiten zu vermeiden, wie diese andernfalls fast regelmäßig auf- treten. Für die Ausarbeitung des Baup1anes und die Leitung der Ba11aussührung kann nach obigen Ausführungen nur die Heranziehung erster Architekten empfohlen werden, die mit Umsicht und Treue gegen das Gewordene die Bedürfnisse der Gemeinde zu befriedigen verstehen. Das ihnen zu gewährende Honorar berechnet sich in der Regel nach der von dem Verbande Deutscher Architekten- 11nd Jngenieurvereine aufgestellten Honorarnorm, und zwar ohne Unterschied für die Bedeutung des Künstlers oder Stümpers; nur die in der Norm ebenfalls festgesetzte Reisevergiitung ist abhängig von der Entfernung seines Wohnortes; solche Entfernungen fallen aber gegenüber der Güte der Leistungen einer- seits, einer verfehlten Ausführung anderseits, nicht ins Gewicht, so daß auch hier nur, um die Bedürfnisse für lange Zeit zu befriedigen, zu dem Allerbesten geraten werden kann. Daß die Bauausführung nicht zu überhasten sei, ist bei Gelegenheit der Besprechung der malerischen Ausstattung oben bereits angedeutet. Es gilt auch hier das alte Wort ,,Gut Ding will Weile haben." Darum kann auch späteren Jahren und Jahrzehnten, dies und jenes nachzuholen, überlassen bleiben, gleichwie der Hausrat der Wohnung sich 1nehrt im Laufe eines längeren Ehestandes. Vergl. den Runderlaß des preuß. Ministers der geistlichen Angelegenheiten und der öffentl. Arbeiten vom 6. Mai 1904 ,,Denk111alpflegc" VI, 5. H. Lutsch, Grn11dsäHe für die Erhaltung und InstandseHung älterer Kunstwerke in der Provinz Schlesien. Berlin 1899. Seite 4.