SchafstaII kommen. Und diese wunderbare Mache voll Frische und Aufrichtigkeit steht im Dienste eines strengen Formgefühls: sein Hochgebirge erscheint trog aller nebelfreien, unverhiillten Deutlichkeit und Gewalt dennoch in den riOtigen Distanzverhältnissen. Wie gesagt, dies selbe Luftperspektive, welche man bis dahin durch den mehr oder weniger darin schwebenden Dunst und die schwache Tönung der entfernten Gegenstände auszudrücken pflegte, hat Segantini durch seine geniale Technik ohne Farbeneinschränkung erreicht, und ohne ein einziges Mal die absolute Klarheit und Durchfichtigkeit einer Atmosphäre, die oft nicht vom leifesten Wölkchen getrübt ist, zu verleugnen. Und eine ehrliche dar; stellende Kunst hat die Pflicht: gerade dieses ,,oftU festzuhalten im Bilde, als die scharfe Unterscheidungscharakteristik des Hochgebirges von der Landschaft jeder anderen Region oder Zone. Den übermächtigen Einfluß, den diese großartige Natur auf das Leben ihrer Kinder aus der Menschen:, Tiers und Pflanzenwelt ausübt, den hat Segantini ehrfürchtig wiedergegeben vielleicht sogar unbewußt demselben in eigener Person verfallen durch seine Art der Komposition. Die lebenden Gruppen variiert er in der phantafies vollsten Weise, er dichtet oft sogar den Mittelplan seiner Bilder, aber wie das uns wandelbare Fatum dieser Geschöpfe erhebt dahinter sich stets das gleiche wilde Chaos des Hochgebirges mit derselben bald hoheitsvollen, bald drohenden Macht. Nur niedriger drückt er es zusammen, um auch die schon beträchtliche Höhe des Vordergrundes zu betonen. Die gleichen Bergesarme umfangen in jedem Werke aus dieser Zeit das Hoch: plateau, Schauplatg, von Leben, Lieben und Sterben seiner Gestalten, bald als lange Kette steiler Felsenmassen den Hintergrund abschließend, bald als steinernes Meer von, zermalmender Gewalt über die ganze Fläche hingebreitet. Noch eine Feinheit der Segantinischen Muse: während gar viele Maler es vers suchten, dem Hochgebirge bald einen gewollt freudigen, bald gewitterschweren Anstrich zu geben und mit diesen Jnterpretationen nichts erreicht haben, als diese Gipfel entweder lächerlich oder kleinlich erscheinen zu lassen, hat Segantini diese Untugend nie geübt. Seine intime Kenntnis der Höhen hat ihm auch hierin den ersten Platz, unter den Darstellern des Gebirges gesichert. Er weiß, daß man diesen Herrschern keine Rolle aufnötigen kann, daß man sie ungeschminkt wiedergeben muß und sie nur in ganz