Einleitung. Man kann die Geschichte der französi- Ludwig XIV., wo die niederländische Kunst schen Kunst als den fortwährenden Kampf fast wirkungslos an ihr abprallt. Daß zweier gewaltiger entgegengesetzter Strö- unterm ersten Kaiserreich Malerei und mungen auffassen: der germanischen, die auf Skulptur durchaus klassizistisch waren, ist Natürlichkeit, charakteristischen Ausdruck, Ge- bekannt. Aber auch die romantische Be- fühlsinnigkeit gerichtet ist, und der lateini- wegung, die doch-als Reaktion dagegen ent- schen, bei der bald die Linie, bald die Farbe stand, hat mit ihrem theatralischen Pathos den Vorrang behauptet, die aber immer auf und ihrer Vorliebe für den Süden und den Schönheit der Komposition und pathetische, Orient etwas durchaus Romanisches. Vero- oft ein wenig theatralische Bewegung aus- nese und nicht Rembrandt war das Vorbild geht. Das nordische Element überwiegt im des großen Delacroix. Ungefähr -um die- Mittelalter, es erreicht in den ergreifenden selbe Zeit aber entstand im Anschluß an die Statuen der gotischen Bildhauer eine ge- englische Kunst und zum Teil unter ihrer waltige Höhe und klingt in der naturali- Einwirkung eine neue Malerei, die nicht auf stischen Bewegung des fünfzehnten Jahr- leidenschaftliche Gebärden sondern auf Tiefe hunderts mächtig aus. Dann aber erobert und Echtheit des Gefühls, nicht auf schöne die romanische Strömung in unaufhaltsamem Linienführung sondern auf Wahrheit des Siege-8zug das ganze Gebiet und herrscht Eindrucks, nicht auf rauschende Farben- hier fast ausschließlich bis ins neunzehnte symphonien sondern auf Beobachtung der Jahrhundert hinein, am stärksten unter Licht- und Lufterscheinungen ausging. An 1-II