Jan Ideen. r Terborch der objektivste nnd kiihlste, e so war Jan Steen, der ,,Liebling des holländischen Volks,tt der subjektivste, heißblütigste nnd genialste unter den Groß: meistern der holländischen Sittenmalerei, jedenfalls der größte Hu1norist u11d zugleich Satiriker unter ihnen. Wie er selbst seinen Zeitgenossen gern ein Schnippchen schlug, so hat es mit ihm die Nachwelt gethan. Er lebt in ihrem Gedächtnis in zweierlei Gestalt. Die eine, die wir aus den Er: zählungen seines Lands1nannes. Arnold Houbraken und seiner Nachschreiber kennen, ist ein Gemisch von Eulenspiegel nnd Trunkenbold, der mit Ehre, Gut nnd Meuschenwürde ein verwegenes Spiel trieb, die andere hat zwar auch einen stark aus: geprägten seuchtfröhlichen Zug, hinter dem sich aber doch ein Mann verbirgt, dem keine nnehrenhafte Handlung nachzuweisen ist. Um der Wahrheit einigermaßen nahe zu ko1n111en, um das nJirkliOe Wesen dieses Ztoittergeschöpfs ergründen zu Ijönnen, wird man am besten thun, die Uberlieferung nach den Urkunden zu kontrollieren nnd als oberste Instanz seine künstlerischen Schöpfungen reden zu lassen. Ein Mann, der uns so viele prachtvolle Werke hinter: lassen hat wie er, darunter solche von höchster Vollendung in der malerischen Aus: fiihrung, kann kein verlumpter Trunkenbold gewesen sein. Jan Steen ist der Sprößling einer alten Patrizierfamilie der Universitätsstadt Lehden. Dort wurde er im Jahre 1626 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns und Bierbrauers geboren. Dieses Datum erfahren wir aus den Listen der Universität seiner Vaterstadt, bei der sich Jan nach dem Beispiel vieler anderer Maler im No: vember1646 als Student der Wissenschaften ,,i1n Alter von zwanzig Jahrentt einschreiben ließ, und damit würde auch die urku11dliche Nachricht, daß sich sein 1602 geborener Vater Haoik Steen 1625 mit Elisabeth Capi: teins vermählt hat, in Einklang stehen. Ob der junge Jan es mit den Studien ernst gemeint hat, müssen wir dahingestellt sein lassen. Aus einigen seiner Bilder merkt man aber, daß er kein ungebildeter Mann war, und aus ein gewisses Maß von Kennt: nissen läßt schon sein ausgesprochener Hang zur Satire nnd zur Allegorie, seine Nei: gung, ans seinen Bildern Sinnsprüche und moralische Lehren anzubringen, schließen. Auch über seine künstlerische Erziehung sind wir nur mangelhaft unterrichtet. Ein Nachs schreiber Honbrakens, Cancpo Weyermann, der in seinen Lebensbeschreibungen holläni discher Maler aber manches Eigene beibringt, erzählt, daß Jan Steen zuerst ein Schüler des aus Leipzig gebürtigen Malers Nico: laus Knupfer gewesen sei, der um 1630 in Holland thätig war, und daß er dann zu Adriaen va11 Ostade in Haarlem und zuletzt nach dem Hang gegangen sei, wo er ein Schüler des Landschaftsmalers Jan van Goyen wurde. Mit diesen drei Künst: ler11 hat aber Steens Art, zu malen, die Menschen zu betrachten und sie zu charakte: risieren, wenig gemein. Daran aber, daß er sich einige Zeit als junger Mann in Haarle1n aufgehalten und dort Eindrücke von Frans Hals empfangen habe, scheint etwas Wahres zu sein. Das hat W. Bode mit seinem bekannten Scharfblick für kolo: ristische Eigentü1nlichkeiten herausgefunden. ,,Eine Anzahl von Bildern des Meiste1ss,U