84 Giovanni Battifta Tiepolo. fürchterlich dafür gehaßt haben. Urbaui ihm davon die Rede sein kann. Da das führt eine Anekdote eines spanischen Schrift- Würzburger Werk eine durchaus parallele stellers als Beleg dafür an. Da er ihn Erscheinung erkennen läßt, kann man sich nicht bei Hofe ausftechen konnte, wollte der Betrachtung nicht verschließen, daß das er ihn nach dieser trüben Quelle wenig- außer diesen beiden Abwesenheiten nie ver- stens aushauen lassen. Er soll zwei lassene Venedig mit seinem bannenden Ein- Banditen bestochen und an einer Land- druck von der VergaugenheitTiepolos Genie straße, die Tiepolo binnen kurzem entlang erdrückt hat und fchicksalsvolI für seine Kunst kommen mußte, mit der Weisung aufgestellt geworden ist, denn er wäre unter anderen haben, feinen Rivalen festzuhalten und ge- Verhältnissen und unter dem Echo einer hörig durchzubläuen. Um sich die Rache anderen, von einer großen Tradition nicht aber noch besonders durch den Anblick der voreingenommene11 Bevölkerung wahrschein- That zu versüßen, soll Mengs in den lich eine wichtigere Künstlerpersönlichkeit Gipfel eines Baumes nahebei gestiegen sein. geworden, als er es jeht in Wirklichkeit ist. Als nun Tiepolo wirklich ankam, hat sein Er kam nie zu sich selbst und zur Natur, Nebenbuhler sich vielleicht, um nichts zu weil er zu starke Eindrücke von der vater- verfehlen, zu weit vorgebeugt, denn jeden- 1ändifchen Kunst in jungen Tagen erhielt falls biegt sich die schwache Krone um und und ihr zu viel abgeguckt hat, er war zu Mengs schwebt plötzlich in sehr peinlicher früh reif und z11 sehr auf das Alleskönnen Lage hilflos und schreiend zwischen Himmel hin dressiert worden. und Erde. Alle Teilneh1uer fallen aus Sein Hauptwerk in Madrid aber war ihren Rollen. Der sein wundes Herz wei- den Darstellungen im Köuigfchloß gewid- den wollte an fremdem Leid, brülltjehtu1n met. Er malte hier für den Leibgarden- Hilfe, Tiepolo vergißt, sich durchbläuen saal eine ,,Schmiede Vulkans" und für den zu lassen, und springt den Banditen bei, Vorsaal eine ,,Apotheose Hispanias," um Mengs aus seiner Lage zu befreien. das Glanzstück indessen ward die riesige Dieser ist zerknirscht, große Rührung, Decke des Thronsaales (Abb. 67-70), die Umarmung, dickste Freundschaft fortan, er gleich der Treppenhausdecke von Würz- und gewiß verzichten die beiden Banditen but-g zum Tummelplatz einer phantastisch- in edler Rührung auf ihren klingenden tnalerischen Gesellschaft aus allen Zonen Lohn, den sie gesetzlich übrige11s mangels unter dem Titel: ,,Spanien und seine Pro- unausgeführter Gegenleistung auch nicht vinzen" machte. Bei oberflächlicher Kennt- einklagen können. Ein höfischer Welt1nann nis beider Werke kann man sie leicht ver- und Deutscher wie Mengs ist natürlich wechseln, denn der Titel ist bei beiden nur nicht auf eine so alberne und einem Greise eine Nottaufe, auf welche die Ausführung gegenüber brutale Rache gekommen, und wenig Rücksicht genommen hat. Auch hier die Geschichte ist ebenso wie das bei Tie- ist am Deckenrand eine bunte Gesellschaft polos Tode verbreitete Gerücht, daß Mengs in malerischen, bewegten und ruhenden ihn habe vergiften lassen, Ausgeburt einer Gruppen versammelt, treten uns bereits spanischen Reporterphantasie. aus Würzburg bekannte Motive entgegen, Auf acht Jahre dehnte sich der ur- findet sich nicht nur die Bevölkerung, son- sprünglich nur für einige Jahre berechnete dern auch Fauna nnd Flora der exotischen Aufenthalt Tiepolos und seiner Söhne in Zonen, nur daß durch größere Zwischen- Madrid aus, und es entstehen jetzt eine träume das einzelne mehr betont ist und ganze Reihe von Werken, wie zu Aranjuez das Ganze weniger als Karnevalsmum1nen- für den Hauptaltar der Schloßkirche eine schanz wirkt. Etwas inniger auch ist der ,,Anbetung der Könige" und für die Seiten- Rapport zwischen den Überirdischen in der altäre eine ,,Verkündigung" und Heiligen- Decken1nitte und diesen Gruppen dadurch, darstellungen; andere Altartafeln schuf er daß z. B. der alte Poseidou gen1ütlich mit für S. Sebastiano, die alle wohl unter seinen Nymphen unter einerJndianergruppe dem Eindruck der großen spanischen Meister thront und gegenüber eine andere Gruppe mit wie der veränderten Lebensverhiiltnisse eine einer sich räkelnden Megäre und einer in freiere und größere Behandlung wie ein die Tiefe stürzenden Mannesgestalt, wie frischeres Naturgefühl verraten, soweit bei wir sie schon wiederholt bei Tiepolo an-