Eiepolo! es gibt Namen, welche mit tausende kein Zielpunkt und kein m11ster- einem Schlage das erschöpfende Pro- gültiger Wert. Unter dieser Feststellung gra1nIn eines ganzen Zeitalters vor Augen nnd Vorausset;,ung indessen dürfen wir uns zu stellen vermögen. Man sage ,,Daute" an ihm als an einer üppigen Wunder- oder ,,Giotto" mit verständnisvollem Ton- bIume, die einen berauscheuden Duft aus fall, und die herbe Großartigkeit des Tre- ihrer farbenprächtigen Blüte sendet, vor- cento scheint sich in ein nach allen Seiten wurfslos erfreuen; denn er ist nicht bloß fest umrissenes Bild gewandelt zu haben, ein virtuoser Tausendkiinstler, sondern auch man murmele mit einer von Grauen nicht ein herzumschmeiche1nder Farbenbarde; er ganz freien Andacht den N,-an1en: ,,Michel- ist auch nicht bloß eine durch das Geschick agniolo", und das kühne Ubermenschentum ihrer Hände impouierende Gestalt inner- der Hochrenaissance steigt mit adlerstarker halb einer gewissen interessanten Zeit, er Willenskraft vor unsereIn inneren Gesicht ist vielmehr im Programm des mächtigsten in dieser grandiosen Erscheinung zur Sonne Kunststils sowie zugleich der mehr als empor und späht aus, neue ethische Werte 100() Jahre umfassenden Kulturentwickelung zu finden nnd die wilde For,menschönheit von Venedig die legte rauschende seiner ästhetischen Welt damit zu erfüllen. Symphonie, denn nur zwei Jahr- So enthält ,,Dürer" die Refor1nation, zehnte nach seinem Tod bricht die Republik nnd wenn man von ,,Tizian" spricht, so Venedig endgültig in sich zustimmen. Er klingt es im Ohr mit fernen Jugendstimmen ist ein fesselndes Zeitphänomen als ,,der von einer versunkenen Märchenherrlichkeit legte große Venezianer" und als der legte nnd von kosender Lust der Sinne. Tiepolo bedeutende Renaissanee1nensch. Wnchtvoll ist niiht halb so groß als einer dieser ge- hat er noch einmal die ungeheure Schaffens- nannten Kunstheroeu; legt man an ihn kraft der Vorangegangenen jenseits der Al- statt des geschichtlichen Maßstabes der Re- pen entfaltet, er hat in seinem Werk noch 11aissance, deren letzter Meilenstein er ist, einmal an einer Stelle vereinigt, was die irgend einen der Ästhetik im absoluten Schönheit und die Bedeutung des Quattro- Sinne, sei es nach der Seite der Jdee, cento und des Cinquecento ausgemacht, der Form, des bloßen Naturverhältnifses, und es schtoächt diesen Eindruck davon nur dann schrutnpft er sogar noch mehr zu- wenig ab, daß seine schwungvollen und fammen, und man versteht, warum nahezu reichbewegten Schilderungen weniger der keines der allgemeinen kunstgeschichtlichen natürlichen Leidenschaft als dem heißen Werke bis zu Tiepolo, dem Zeitgenossen Fieber einer Zeit entstammen, die bereits des großen Friedrich, Ludwigs XV, Vol- den hippokratischen Zug im Gesicht hat. taires u11d Rousseaus, reicht; denn Tie- Was sein Mangel als schöpferischer Künstler polo ist in Hinsicht auf die ins Vertikale ist: die fehlende elementare Natur, das gerichtete menschliche Arbeitskraft der Jahr- erseht er bis zu einem gewissen Grade 1ds-