JElndrea TE2ankJ3gna. Wie Fülle künstlerischer Erscheinungen, die E Mannigfaltigkeit kiiustrekisck;ek Ruh. tungen, welche während des fünfzehnten Jahrhunderts in Italien zu Tage treten, erfüllt den Forscher, dessen Blick alle Einzel; heiten in dem Gesamtbilde dieser Kunsti epoche aussucht, mit dem größten Erstaunen. Gewaltsam und unwiderstehlich scheint eine lange zurückgehaltene Schaffens; und Ge: staltungskraft sich aus dem Innern nach außen Bahn zu brechen in gleicher Weise in Tausenden von Jndividuen vorwärts drängend, als gälte es, mit Meißel und Pinsel sich der Welt zu bemächtigen. Die Außendinge, die sich in nie endendem Wechsel dem Auge aufdrängen, werden als Bilder gefangen und von einem die Eins bildungskraft beseelenden lebhaften Gefühl zu neuen Naturgebilden menschlicher Schöps sung umgestaltet. Wer freilich dieses an Künstlerthaten reiche Jahrhundert aus ihm allein zu erklären versuchte, würde es nie verstehen können. Nur in den voraus gehenden Zeiten entdeckt man die treibenden Kräfte, welche den Genius des italienischen Volkes zur Schaffenslust tveckten: in jener Epoche einer großen focialen und religiösen Bewegung, welche den eigentlich schöpferis schen Teil der Menschheit, die unteren Schichten deszVolkes, befreite und mit der gesellschaftlichen Neugestaltung zugleich ein neues, schlicht volkstü1nliches, innerliches Christentum zur Herrschaft brachte. In diesen Zeiten erhielt die Phantasie und das Gefühl die Richtung auf das Ideal, wels ches das Ziel der Renaissaucekunst werden sollte. Noch vermochte trotz aller jugeuds lichen Begeisterung und dramatischen Auss druckskraft die das vierzehnte Jahrhundert aussüllende Kunst Giottos nicht über das Typische der Formenbildung hinauszukoms men, aber sie schuf und entwickelte alle Grundmotive des Stiles und der Dars stellung. Um 1400 wendet man sich der Aufgabe zu, das Formale und die künst: lerischen Mittel auszubilden. Das alls gemein Andeutende muß dem besonderen Verwirklichenden weichen: durch eingehendes, das Größte wie das Kleinste umsassendes Studium der Natur werden der Phantasie in heilsa1nster Weise Schranken geseHt. Nun galt es, die Erscheinung des Menschen nach seiner organischen Bedingtheit in den Proportionen, der Bewegung und dem Ausi drucksvermögen zu erfassen, es handelte sich darum, das allgemein GeseHmäßige durch das genaue Studium des Jndividuellen kennen zu lernen, durch Erforschung der Gesetze des Sehens, der Linears und Luft; perspektive das Verhältnis der Figuren im Raume zu bestimmen, und, dem Reichs tum des Schauens zu genügen, mußte eine Meisterschaft in dem Technischen errungen werden, welche die freie und zwanglose Wiedergabe des Erschauten ermöglichte. Mit diesen Aufgaben sehen wir in der verschiedenartigsten Weise die Bildhauer nnd Maler des Quattrocento unermüdlich beschäftigt. In den Werkstätten kommt dem Schüler zu gute, was der Meister ges funden Einer lernt vom Anderen in einem, fast möchte man sagen, instinktiven Gefühl davon, daß es sich nicht um die Originalität des Einzelnen, sondern um ein gemeinsam zu 1If