Schönleber, Wi1Ir0ider. Di11, Fink, Liers, ausschließlich auf koloristische Wirkungen innerhalb einer begrenzten Farbenskala gegründet sind. Jst auch der Grundton seiner Stimmung trüb, so fehlt es feinen Bildern doch nicht an ernster Großartigkeit der Auffassung. Hermann Baisch Cgeb. 1846 zu DresdenJ, ein Schüler der Stutt: garter Kunstschule, machte 1868 eine Studienreise nach Paris, wo er sich besonders durch die holländischen Meister, durch Th. Rousseau und Dupre5 angezogen fühlte. Als er 1869 nach München kam, war er demnach genügend vor: bereitet, um in Lier den Lehrer zu finden, welcher seiner Eigenart am meisten entgegen kam. Anfangs behandelte er, den Überlieferungen der Schule gemäß, nur Partien aus der bayerischen Hochebene, welche er mit weidendeni oder ruhendem Rindvieh belebte. Seitdem er 1873 eine Reise nach Holland gemacht, wohin er später mehrfach zurückkehrte, verlegte er den Schwerpunkt seines Schaffens in die holländische Kanal: und Flußlandschaft mit ihren reichen Viehweiden, die er gern bei leicht bewölktem Himmel darstellt, so daß alle Lokalsarben bei feiner Zu: sammenstimmung voll und saftig zur Geltung kommen. Ein klarer Silberton giebt gewöhnlich die Grundstimmung für seine Landschaften ab, unter denen der ,,WeidenbachM, ,,FrühlingsmorgenU, ,,Anger mit weidende1n Vieh bei MorgenbeleuchtungU, ,,DiinenlandschaftU, ,,Eine im Regen am Kanal hinziehende Herden, ,,Miihle bei Mondscheintt C1878, Staatsgalerie zu StuttgartJ, ,,Waldinneres im HerbstU, ,,An der TränkeU, ,,Spätfommer0, ,,Bei Dortrecht zur EbbezeitH C1884, Berliner NationalgalerieJ und ,,Som: merabend bei RotterdamU die hervorragendsten sind. Seit 1882 ist Baisch als Lehrer an der Kunstschule in Karlsruhe thätig. Jn jüngster Zeit hat er sich auch in der Mariae: malerei versucht, in welcher ihn jedoch Gustav Schönleber Cgeb. 1852 zu Bietigheim in WürtembergJ übertrifft. Dem magischen Spiele des Lichts auf der ruhigen Meeresfläche weiß er mit größter Zartheit und Feinheit des Pinsels in allen Abstufungen des Tones gerecht zu werden, mag er eine weite Fläche ganz mit Sonnen: oder Mondeslicht überziehen oder nur einzelne Lichtstrahlen auf der leicht gekräuselten Flut tanzen lassen. Er sucht seine Stoffe meist an der holländischen und belgischen Küste, in den Städten an der Ostsee und ins den Lagunen Venedigs, deren Bevölkerung er als malerifihe Staffage in seine koloristisch äußerst wirksamen Gemiilde hineinzieht. Bilder wie der ,,Fisch; Markt in DanzigU, die ,,Ansicht von Venedigs, RotterdamH, der ,,HafenHvon OstendeU, der ,,Hafen von Genuas, ,,Hol2 ländiscJes Darfst, der ,,Hafen von DieppeU, ,,Aus einer sä;wäbischen Reichsstadt0, ,,Frühjahr in SchwabenE, ,,Hoch: Wasser am Neckarst und ,,Abend in DortrechtU bezeichnen den Umkreis seines Schaffens, welches sich auch auf die Blumen: landschaft erstreckt. Jm Gegensatz zu Baisch bevorzugt er als Gesamtstimmung mehr einen warmen Goldton. Auch in Radierungen und Zeichnnngen für den Holzschnitt CS. 13J bekundet Schönleber ein seines Gefiihl.für koloristische Wir: kungen bei sorgsamer Ausführung der Details. Jn ver: wandter Richtung, nur mit Beschränkung auf Venedig, die Lagunennnd Ehioggia, ist Ludwig Dill Cgeb. 1848 zu Gernsbach in BadenJ, thätig. Ursprüuglich Jngenieur und Architekt. dann JlIustrator, widmete er sich erst seit 1878 der Malerei in München im Anschluß an die dortigen Vertreter der Stimmungslandschaft. Seine breit und energisch, mit voller Leuchtkraft der Farben behandelten Gemälde CVene: zianischer Kanal in der Staatsgalerie zu Stuttgart, Vene: zianische Marine in der Galerie zu Man11heim, Ebbe in den Lagunen, Lagunendorf, Venezianisches FischerbootJ sind von so hoher technischer Vollendung, daß sie in keinem Zuge verraten, das; ihr Urheber erst spät zur Malerei gelangt ist. Nur muß sich Dill gleich Baisch und Schönleber vor einem zu großen Maßstabe hüten, da die malerisihe Breite dann leicht ins Leere und Dekorative gerät. Auch August Fink Cgeb. 1846J, ein Schüler von Schleich, Lier und Wenglein, dessen Spezialität in schneebedeckten Gebirgs: landschaften mit Wildstaffage liegt, nnd Konrad Wimmer Cgeb. 1844J, der ebenfalls gern Winterlandschaften bei Abendstimmung malt, gehören diesemKreise der Stinnnnngs: maler an, welche auch die neuefte Entwicklung der Münchener Landschaftsmalerei bedingen. Trotz, ihrer Bedeutung hat sie jedoch immer noch nicht eine besondere Vertretung an der Atademie gefunden. Eine vereinzelte Stellung unter den Münchener Land: schaftsmalern nimmt Ludwig Willroider Cgeb. 1845 zu VilIachJ ein. Schüler seines in Düsseldorf ansijssigen Bru2 ders Josef, bildete er sich vorzugsweise durch Naturstudien in den österreichischen und bayerischen Gebirgen. Von der ernst und erhaben aufgesaszten Darstellung eines bestimmten Natur1notivs ausgehend, erhob er sich zu Landschaften, welche eine neue historische oder heroische Gattung bilden, die sich enger an die Natur anschließt, als es die Stilisten der Form gewohnt waren. Ein ,,Waldbrandtt C1879J war das Erst: lingsbild auf diesem Gebiete, dem sich 1883 der ,,Dies iraeit, eine dunkle, von einem Gewittersturm durchbrauste Land: schaft. mit dem ewigen Juden, und 1886 die Darstellung einer sich weit ausdehnenden Hochebene beim Hereinbrechen der Sintflut anschlossen. Doch behandelte er auch eins fachere Motive aus deutschen Eichenwäldern, ans Kärnthen und von der Riviera, ohne historische Staffage und Vedeu: tung, aber mit steter Richtung auf das Große und Erhabene.