Die Malerei x864H sI880 Mrge1td eine Art von Romautik wird in der deutschen Kunst immer wieder auf: J tauchen, da sie ihre eigentliche Lebensluft ist, dem nationalen Charakter in un: gewöhnlichem Maße entspricht. So ist denn auch der größte Unterschied, den diese Epoche in der Münchener Historien1nalerei zu Tage fördert, der, daß sie mit den letzten Resten des akademischen Klassizismus vollkommen ausräumend, sich gleichzeitig auch von der bloßen recht nüchternen Modellu1alerei, in die sie unter Pilotys un: n1ittelbarer Einwirkung nach dem Rezept der Delaroche, Gallait nnd Couture zu ver: laufen drohte, losreißt und wieder zur freien Schöpfung der Phantasie wird. Da: mit erhält sie aber auch einen weit volkstümlicheren Charakter. Denn nun erscheint jene neuromantische Richtung, als deren glänzendste Vertreter sich alsbald Haus Makart n11d Gabriel Max hervorthun. Der eine, indem er uns alle finnbethörende Pracht und Schönheit der Welt aus dem durchaus romantischen Zauber des Hell: dnnkels auftauchen läßt, welchen die klassizistische Kunst nicht kennt, der andere, in: dem er in die Tiefen des Gemütes hinabsteigt und uns seine Schähe enthüllt, uns in seine ahnnngsvolle Welt führt. Beide verbinden damit einen Kultus der echt deutschen Fraue11schönheit, von dem die Schule bis dahin, Schwind nnd Ramberg ausgenommen, nicht allzu viele Spuren gezeigt hatte. Wie letztere, waren auch diese beiden Osterreicher, hatten also das sinnlichere, farbenfreudigere, schönheits: truukene Naturell ihres Stammes, das ihn vom norddeutschen Wesen so sehr unter: scheidet. Beide hatten aber auch von der Mutter Natur jene schöpferische Urkraft des Genies mit aus den Weg bekommen, die ihr Gesetz in sich trägt und ihren Träger so beherrscht, daß er mit der Sicherheit eines Nachtwandlers die gefährlichften Wege gehen kann, ohne zu strancheln. Beide waren tief innerliche Naturen, von Haus aus schweigsam, darauf angelegt, durch Handeln und Thnn, nicht durch Reden, neue Pfade zu zeigen. Beide muß man zu den mehr oder weniger naiven Charak: teren rechnen, obwohl sie sich der Mittel, die sie brauchten, wohl bewußt waren. Aber während Max als schwerlötiger Böhme den mystisch grtibelnden, musikalischen Zug seiner Landsleute in vollem Maße besaß und sich sogar eine ungewöhnliche Bildung angeeignet hatte, entwickelte Makart bei aller Wortkargheit doch ganz den glücklichen Leichtsinn, das sonnige Naturell, die Sorglosigkeit des Oberösterreichers in so hohem Maße, daß sich die beiden Jünglinge zu einander verhielten, wie Tag und Nacht, als sie im Jahre 1862 in dem kleinen kellerartigen Atelier eines abges legenen Hofes des einstigen Jesuitenklosters nnd damaligen Akademiegebäudes in München, der Wille des Meisters oder der Zufall zusammeuführte, um von hier ans bald die Blicke der halben Welt auf sich zu ziehen. Hans Makart Cgeb. den 27. Mai 1840 in Salzburg, s in Wien den 3. Oktober 1884s, war der Sohn eines ebenfalls künstlerisch begabten Hofbedienten und Zimmeraufsehers im Lnstschloß Mirabell, den der Leichtsinn aber schon während der Kindheit seines Sohnes in die weite Welt trieb. So wuchs dieser unter der Obhut seiner in der kaiserlichen Residenz angestellten Mutter auf, die, sonst eine liebevolle und einfache Frau, doch mit ganz besonderem künstlerischem Geschmack begabt war, welchen jedenfalls sie dem schon früh sehr stillen und in