400 Buch II. Kap. 3. Der nationale Gedanke, welcher Giusti7s Dichten beseelte und in der Form des WiHes, des Sarkasmus, der Satire sich offenbarte, kleidete sich in den Dichtungen von Aleardo Aleardi (st. 1878, -Un ora della mia giovenizzac, vCanti patrii(, pAccant0 a Romas, ))I1 monte Circe11oc in Auswahl metr. verdeutscht von Kitt, 1872), in das langnachschleppende Gewand pathetischer Grandezza. Aleardi ist gewiß ein großer Kolorift in Worten, aber seine Malerei verflucht sich häufig zur rhetorischen Breite. In demselben Jdeenkreise sei es, daß sie mehr auf unmittelbare politische Wirkung ausgingen, sei es, daß sie mehr die philosophisch-humanitäre Seite der modern-liberalen Anschauung hervorkehrten bewegten sich die Lyriker, Dramatiker, Didaktiker und Satiriker Emilio P ra g a (1839 -)Penombre-( -pTrasparenzee), welchen man den Pfadfinder der von Cardueei ein- geschlagenen lyrischen Richtung genannt hat, eine Richtung, welche als auf ihren eigentlichen Eröffner auf A. de Musset zurückweis't; ferner F. Ba- rattini (geb. 1825, -Canticac), V. Salmini (1832-82, -)Fig1j del (geb. 1840, -1nn0 al canape((, Satire), V. Betteloni (geb. 1840, :-In pl-imave1-as )Versie DL7ombra de11o sposoe), F. Cavalottk (geb. 1842, -II cantic0 dei cantjcie), E. Panzaechi (geb. 1841, -.sLyrica)- A. Fopazzaro (geb. 1842, ))Miranc1ac. deutsch von Meinhard, sehr schöne Novelle in Versen, -)VaIs0lda(c, ges. Gedichte, -Malombrac(, Roman), D- Gnoli (geb. 1836, -)0di Tibertine(:), G. Mazzoni (geb. 1852, )-P0esiee)- F. Fontana (geb. 1850, -)Cant0 de11" 0djo(c -socia1ismoe -c.0n- ventoa), R. Barbiera (geb. 1852, -Poesie-::) und der Sieilianer Mario Rapisardi (geb. 1842), welcher in seinem Lehrgedicht ))Pa1ingenesic eine Wiedergeburt der religiösen Jdee und die Großnährung derselben mit neu- zeitlichen Vorstellungen verkündigte, dann in seiner großen, von lyrischen Adern durchzogenen Satire -I-ucjfero(( der modernen Gesellschaft einen nichts weniger als schmeichelhaften Spiegel vorhielt, auch mittels der Sammlung seiner kleineren Dichtungen ())Ricordanzec) als vielseitigen Lyriker sich aus- wies. An diese Poeten schloß sich eine ganze Schar von Nachzüglern; denn in Italien ist es, gerade wie in Deutschland, in der 2. Hälfte des 19. Jahr- hunderts Sitte geworden, daß jeder nicht gerade ganz vernagelte Jüngling ein oder etliche Bändchen Lyrik oder dies und jenes Romanzenbüchlein. leistet, bevor er zwanzigjährig wird. Auch die italischen Jungfrauen fühlten sich ganz wie die deutschen, zu solchen Leistungen mehr und mehr verpflichtet und die Frauen wollten hinter den Mädchen nicht zurückbleiben. Daher die nicht geringe Zahl von Dichterinnen, welche mit mehr oder weniger Talent und Erfolg ihren Gefühlen in dem geschmeidigen und sonoren Jdiom ihres Heimatlandes lyrischen Ausdruck gaben oder auch Schildereien und Novellen in Versen und Prosa schrieben. Jenes thaten mit Glück Erminia