156 Buch I. Kap. 2. Die Theilnahme des römischen Publikums an den Erzeugnissen dieser Dra- matiker scheint eine Zeit lang ziemlich groß gewesen zu sein; wenigstens setzt die Feststellung gewisser Klassen des Drama7s ein lebhaftes Interesse voraus. Schon frühe nämlich schied sich in Rom die dramatisc)e Dichtkunst in zwei bestimmte Arten, wobei griechischer Stoff und griechische Gewandung oder römifcher Stoff und römische Gewandung maßgebend waren. Die fabula crepiclata (Tragödie) und die fabula palliata (Komödie) hatten die griechische Heldensage und griechisches Leben zum Gegenstande, wogegen die fabula praetextata einen Stoff aus der römischen Geschichte tragisch be- handelte und die fabula togata Scenen aus dem römischen Volksleben zum Lustspiel gestaltete. Die fabula palliata (Komödie) hat bei den Römern von allen dra- matischen Gattungen die kunstmäßigste Ausbildung erfahren und zwar durch Plautus und Terentius. T. Maecius Plautus (wahrsch. geb. 254 und gest. 184 v. Chr-.) hat sich, obwohl so sehr auf dem Boden der Nachahmung griechischer Vorbilder stehend, daß er freilich mit ironischer Neben- beziehung in mehreren seiner Prologe sich als bloßer Ueberseher darstellt ()-Plautus barbare v0rtjt((), dennoch als einen tüchtigen Poeten erwiesen. Muster scheinen ihm insbesondere Epicharmos und Philemon gewesen zu sein, aber er hat diese Vorbilder augenscheinlich mit genialer Freiheit und Kühnheit behandelt. Der Plan seiner Komödien ist einfach, die Entwickelung rasch, die Charakteristik wahr, sicher und scharf. Seine Sittenschilderung ist von unbesaugener Nacktheit und Derbheit, seine Laune unerfchöpflich, sein Witz sehr beißend, seine Sprache liebt alterthiimliche Worte und Wendnngen. Der sittliche Zorn über die Ausartung der Sitten blickt überall hinter der Verspottung derselben hervor. Jm Alterthum wurden dem Plautus 130 Stücke zugeschrieben, für echt gelten aber nur folgende 20: Amphitruo, das Geld für die Esel (Asjnaria), der Goldtopf (Aulularia), die Kriegsgefangenen (Captjvi), Curculio, Casiua, das Kästchen (Ciste1laria), Epidicus, die Bak- chiden (Bacchides), das Hausgespenst (Mostellaria), die Zwillingsbrüder (Menaecl1ini), der Bramarbas (Mjles gl0ri0sus), der Kaufmann (Mercato1-), Pseudolus, der Karthager (P0enulus), der Perser, der Schiffbruch (Rudens), Stichus, der Schatz (Trinummus), der Grobian (Truculentus). Jst Plautus durchaus Volkslustspieldichter, so ist Publius Terentius (mit dem Bei- namen Afer, als aus Afrika stammend, gest. 159 v. Chr.) der Schöpfer des höheren Gesel1schaftluftspieles. Die Kraft der Erfindung und Gestaltung, welche Plautus auszeichnet, geht ihm ab, "weßwegen seine Nachbild1mg griechischer Komödiendichter (hauptsächlich des Menandros) eine viel sklavi- schere war als die seines Vorgängers; dagegen ist sein Stil gebildeter als Varins, Asinius Pollio, Mäcenas, Julius Cäsar, Augustus, Ovidins Nasid. Vgl. O. Ribbeck, Die tömisel)e Tragödie im Zeitalter der Republik, 1875.