4 Einleitung. geschichten der einzelnen Künste und Wissenschaften, wie auch der verschie- denen volkswirtschaftlichen Thätig"keiten, geben kann und wirklich gibt, und ebenso 2) der Begriff der Nationalliteratur. Unter dieser begreift man alle diejenigen Hervorbringungen in Sprache, Schrift und Druck, welche vermöge ihres Jnhalts und ihrer Form allen gebildeten Menschen bekannt und vertraut oder wenigstens zugänglich sind, demnach wesentlich das auf kijnstlerischem Wege geschafsene Schriftthum, die Werke der Poesie und schönen Prosa, welche, auch abgesehen von den sprachlichen Unterschieden, durch einen eigenthümlich-nationalen Geist und Ton von den entsprechenden literarischen Erzeugnissen anderer Nationen sich unterscheiden. Freilich dürfte sich dieser Begriff von Nationalliteratur nicht immer streng festhalten und durchführen lassen, weil in der modernen Kunstdichtung die ,,eigenthümlich- 1iationale1i""fThne vielfach vermischt und getrübt sind oder auch buntwechselud ineinander pie en. Die Wissenschaft der Literaturgeschichte ist nicht von heute oder gestern. Ihre unscheinbaren Anfänge lassen sich in die antike Welt zurückverfolgen, wo ja in den Schriften der Griechen Strabon, Pausanias, Athenäos, Philo- stratos, Diogenes von Laerte, Dionysios von Halikarnaß und der Römer Varro, Cicero, Horatius, Plinius, Quintilian, Gellius, Suetonius mehr oder weniger deutliche Spuren literarhistorischer Thätigkeit anzutreffen sind. Indessen ist die Bedeutsamkeit der Literarhistorik erst in neuerer Zeit zu voller Anerkennung gelangt, seitdem erkannt worden, daß die Kenntniß der Literatur der Schlüssel zu aller Geschichtekunde ist. Noch mehr, die Ge- schichte der Literatur ist die ideale Geschichte der Menschheit selbst, weil ja die Literaturen der verschiedenen Völker die höchste Blüthe ihres Wesens, die beste und schönste Errungenschaft ihrer Kulturarbeit ausmachen. Zu dieser hohen, aber nur gerechten Schähung ist die Literaturhistorik insbesondere in Deutschland gediehen, weil den Deutschen vor allen anderen Nationen die universelle Empfänglichkeit verliehen ward, die Weltsprache der Poesie zu hören und zu verstehen, d. h. alle die verschiedenen Klänge heimischer und fremder, urältester nnd jüngster Gemüths- und Geistesoffen- barung zu beachten, zu werthen und zu genießen. So haben denn, nach dem wegbahnenden Vorgang der Lambeck, Morhof, Reimann, Fabricius, Stoll, Bertram, Jöcher, Meusel, Jördens, Wald, Bougine'- und Blankenburg, Johann Gottfried Eichhorn, Ludwig Wachler und Friedrich Vo.uterwek die allgemeine Geschichteschreibung der Literatur begründet, nachden1"auch ein Lessiug, Herder und Göthe dieselbe im Einzelnen gefördert hatten 1). Es I) Eiohhorn: .,Literärgeschichte", N. A. 18I5, und ,,Gefchichte der Literatur", 1805 fg. (unvolIendet). Wachler: Handbuä; der Gef6hichte der Literatur, Z. Umarbeitung, l833. Bouterwek: Geschichte der Poesie und Beredsamkeit seit dem Ende des 13. Jahrhunderts,