154 VlI. Kapitel. Siebente5 Kapitel. Kultur, KUUns Kvktiim. Verzeiht, es ist ein groß7 Ergöhen, Sich in den Geist der Zeiten zu versehen. Zwei Bücher sind es, die auf mein geistiges Leben einen entscheidenden Einfluß geübt haben, beide heute wie verschollen und vergessen. Das eine, das mir etwa in meinem fünf: zehnten oder sechzehnten Lebensjahre in die Hände fiel, war Johannes von Müllers ,,Vierundzwanzig Bücher allgemeiner Geschichte der Menschheit.U Kurz, tresfend, voll Urteil und Gedanken, aus großer, überschauender Weltansicht geschrieben, hätte es meines Erachtens ein standard work sein sollen, ein klassisches Buch, das immer neu gelesen, in immer neuen Auflagen hätte erscheinen müssen. Statt dessen, wer lieset es nochP Wer kennt es noch, wenn nicht der Litterarhistoriker, der doch einen Mann wie den großen Schweizer Geschichts: schreiber nicht übergehen kannP Auf mich hat das Buch da: mals eine mächtige Wirkung geübt. Jch las es wieder und wieder fast bis .zum Auswendigwissen; es bestimmte meine Liebe zur Geschichte und weckte schon damals in mir den Wunsch, mein Leben, soweit es der Wissenschaft gehörte, der Geschichtschreibung zu widmen. Und dabei ist es ja auch ge: blieben. Das zweite Buch sind Schnaases,,Niederläudische Briefes, Jch bekam sie zufällig als ein Geschenk meines künstlerischen Freundes Kaspar Scheuren. Auch dieses Buch ist vergessen. Der Verfasser selbst hat es vergessen gemacht durch sein groß: artiges Werk über die allgemeine Kunstgeschichte, das wir noch immer als erstes Werk auf seinem Gebiete zu betrachten haben, trok, aller Einzelstudien oder allgemeiner Darstellungen, die