X1I. Rudolf Staug,g Stich iBionardo des Kl1endmahleg da Muts. Voll Die Menschheit erfreut sich eines ästhetischen Gemeinbesitzes, ohne dessen Genuß sie ihre Lebensarbeit nicht wiirde vollbringen können. Aus Werken der Dichter, der bildenden Künstler, der Componisten, der Geschiihtschreiber, sowie ans den Schätzen an lebendigen Erinnernngen, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich im Stillen vererben, bestehen die geistigen Werthe, die uns unenis behrlich sind und deren Verlust beinahe undenkbar erscheint. Man stelle sich das Deutsche Reich vor mit all seinen Armeecorps, seinen Schiffen, seiner Eins und Aussuhr, seinen Fabriken, seiner Land: wirthschaft und woran sonst bei sichtbarer Macht und Reichthümern gedacht werden kann: ohne Shakespeare7s, Goethe7s, Schiller7s nnd Homer7s Werke, ohne Mozart und Beethoven, ohne die Erinnes rungen unserer Sage und Geschichte, ohne Alles, was sonst Herz und Auge erfreut, würden jene Güter, die für Mancher: freilich als die allein wirklichen gelten, wie eine ungeheure trübe Masse erscheinen, um deretwil1en es nicht der Mühe Werth wäre, zu sorgen und zu arbeiten. Was jede Nation für sich und was alle Völker zusammen als diesen ästhetischen Gemeinbesi1z anzusehen haben, darüber sind sie wohl unterrichtet. Man ist sich bewußt, welchen Stücken die Ehre zu: komme, in dem großen Jnventarium der geistigen Güter eine Nummer zu bilden, und weiß, welchen Rang den einzelnen Nummern untereinander zukomme. Mag heute von manchen Seiten gegen die Dichter der Griechen und die Prosaiker der Römer angreisend vorgegangen werden: aus den Stellungen, die diese größten Dichter und Schriftsteller der Welt fest einnehmen, wird nichts sie heraus: