746 Erste Abtheilung. Zur Gefdhichts-Literatur. ihrem Interesse seine Erhebung für einen sehr vortheilhaften Tausch mit Napoleon gelten könnte." Er hatte auch einen Aufruf ausgear- beitet und den Monarchen vorgelegt, wodurch die Franzosen von Na- poleons Herrschaft abgewandt und auf einen Umsäswung dieser Art vorbereitet werden sollten. Bei diesem Widerspruch der Interessen und der Zwecke ergab es sich von selbst daß Bernadotte nicht nur hemmend und lähmend auf die Entscheidung einwirkte, sondern mehr als einmal geradezu ver- derblich zu werden drohte; bei Großbeeren, Dennewit;, beim Elbüber- gang ist alles Große ohne ihn und gegen ihn geschehen, und man begreift den Groll den Bülow und Tauenzien gegen ihn hegten, voll- kommen. Ohne die selbstthätige, in gewissem Sinn eigenmächtige Ac- tion wäre wahrscheinlich gleich der 23. Aug., der Tag von Großbeeren, den Preußen verhäugnißvoll geworden. Die lichtvolle Darlegung die unser Geschichtschreiber von den kriegerischen Vorgängen dieser Zeit gibt, gewährt volle Einßcht in die Situation; mit vollem Recht rügt er die Dreistigkeit des Franzosen, sich als der Sieger zu benehmen und als solcher die Huldigungen der preußischen Hauptstadt einzunehmen, und in den Schlacl)tberichten mit wirklich bonapartischer Virtuosität die Thatsachen zu verdrehen nnd Bülows Verdienst herabzuwürdigen. Man kann dem Unmuth den unser Darsteller darüber kundgibt, nur zu- stimmen. ,,Da Be-rnadotte ansgesprochen," sagt er, ,,daß Bülo1v nur auf seinen Befehl gehandelt, der Beriiht Bülows an den König nir- gends, und überhaupt nichts in den Zeitungen veröffentlicht worden ist als das Bulletin des Prinzen, so glaubte das große Publikum nicht anders als daß der Prinz den Sieg erfochten habe. Es gieng in alle Compendieu, in alle Lehrbi"icher der allgemeinen Weltgeschichte über, und die deutsche Jugend lernte: der Kronprinz von Schweden hat den Marschall Oudinot bei Großbeeren geschlagen. Solch ein Jrrthum ist nachher schwer wieder auszurotten, weil ihn noch lange Zeit ein Schriftsteller dem andern nachschreibt, wenn die Kriegsge- sihichte sich auch noch so viel Mühe gibt die Lage der Dinge ins rechte Licht zu stellen.-- Der Wahrheit zur Ehre müssen wir ergänzend bemerken daß Bernadotte in diesem Fall nicht der einzige Schuldige war. Bülows berichtigende Darstellung ward von dem Staatsrath Le Coq, der mit der Ceusur beauftragt war, gestrichen; ein Rescript, vom Tage nach dem Siege von Dennewitg- datirt, theilte das dem Sieger mit. Es