32 Erste Abtheilung. Zur Geschichts-Literatur. grüßte dieselbe mit Freude freilich nicht ohne den stillen Vorbehalt, bei der definitiven Bestellung ihre individuelle Ansicht und ihren be- sondern Anspruch zu wahren. Lamartine leugnet daher auch ganz entschieden daß, wie behauptet ward, Furcht und Einschüchterung die Proelamation der replublikanischen Regierungsforrn dictirt habe; die Leute, sagte er, die sich in diesen Krater geworfen hatten, thaten es aus einem von den beiden Beweggründen, entweder weil sie Republi- kaner waren und der Republik zum unwiderstehlichen Sieg aus dieser Krisis helfen wollten, oder weil sie als aufopfernde Männer sich selbst in den Brand der Revolution hineinwarf(-n um ihn zu däu1pfen im ersten Fall waren es Fanatiker und nicht die Furcht trieb sie, im andern waren es freiwiclige Opfer die sich für die Wohlfahrt der Ge- fammtheit hingaben, also nicht Leute die sich von der Angst treiben ließen. Eben diese Combination verschiedener Parteien machte die Re- publik anfangs so stark, und darin lag auch die hervorragende Bedeutung die Lamartine"s Namen mitbrachte. Er hatte und darauf legt er selber den größten Nachdruck eine isolirte politische Rolle gespielt, hing keiner Partei und keinem Club an, aber seinen Ruf eines in- tacten, patriotischen Mannes hatte er fiel) mitten in dem Schmutze ge- wahrt. Jn einem Momente des allgemeinen Enthusiasmus und der Erhebung war daher seine Stellung entscheidend; sie gab der Revolu- tion eine sittliche Autorität die ihr Parteimänner nicht geben konnten. Wäre die Republik nur von den Männern des National, der Socia- liften und Comn1uuiften ausgerufen worden, die Einbildungskraft hätte mit ihr unwillkürlich die blutigen Bilder der Jahre 1793 und 1794 verknüpft; die politische Erwägung hätte darin nur den mo1nentanen Triumph einer Faction gesehen. Die Zustimmung Lamartine"s, dieser ganz conservativen und revolutionsscheuen Persönlic7keit, gab ihr aller- dings eine ungewöhnliche Bedeutung. Die folgenden Ereignisse auf dem Stadthause, die hervorragende Bedeutung die Lamartine durch Sympathie und Haß gewann, das rednerische, lyrische Pathos womit er allein damals die gemeinen Lei- denschaften niederhielt, die altfranzösifche Ritterlichkeit womit er sich den blutgierigen Factionen und ihrer rothen Fahne in den Weg warf das alles ßnd Dinge die fast noch frisch in der Erinnerung Eu- ropa"s leben, trotz der raschen Vergeßlichkeit dieser Zeiten. Man wird diese prachtvollen, ächt dramatischen Scenen am liebsten bei dem Autor selber naehlesen, dessen Triumph He enthalten.