544 Umzüge. Pflug. Weber. nicht der Priester allein, nahm Theil daran, und auch dies; ist eine gottes- dienstliche Handlung. Den Wagen der Nerthus schirrt der Priester und begleitet die Göttin; das Volk aber schmückt sich und Haus und Dorf, sie festlich zu empfangen und fröhliche Tage von Krieg und"Arbeit zu rasten. In christlicher Zeit, wo solche Feste in Nachwirkung des Heiden- thums fortdauerten, nahm dieser Antheil des Volks eher zu als ab: es music nun auch die Rolle des Priesters übernehmen, vielleicht die ein- ziehenden Götter sichtbar vorstellen. So bei den Umzügcn mit dem heili- gen Pflug, wo statt des Priesters zuletzt höchstens noch ein Spielmanu auf dem Pfluge saß und pfiff, M. 242: wir wissen daß auch die Spiel- leute, wo sie als Boten austreten, mit dem alten priesterlichen Heroldsamt zusammenhängen. Das Schiff der Jsis hatten als Priester die Weber, in Zittau dieTuchmacher (Germ. V, 50) zu ziehen und mit allem Zeuge auszurüsten, wobei auch die alte Priesterschast der -Frauen sich wieder gel- tend machte. Doch auch hiebei blieb. es nicht: die Göttin selbst und die übrigen Götter, in deren Geleite sie fuhr und welche der Bericht Rudolfs mit lateinischen Namen ausführt, stellte man wohl auf dem Schiffe sicht- bar vor: ohne Zweifel sind die Vermummungen, die seitdem für den Car- naval charakteristisch blieben, daraus hervorgegangen. Aehnliche Aufzüge finden sich bei andern Festen, und wenn sich auch deren gottesdienstliche Bedeutung aus dem Bewustsein verlor, die Sitte hat sich bis auf diesen Tag erhalten. Den Zusammenhang des Bolksschauspiels mit den heid- nisihen Vorstellungen und Gebräuchen, der bei den alten Völkern offen zu Tage liegt, konnten wir auch bei unsern Hausgeistern gewahren; hier tritt er fast noch stärker hervor. Schon der Einzug der Nerthus, wie ihn Tacitus beschreibt, war eine Schaustellung, als deren symbolischen Sinn wir die erwachte Natur, die im Frühling aus der Gefangenschaft der Riesen befreite Erd1nutter kennen.- Das Volk zog ihrem Wagen, wie bei dem spätern Sommerempfang, der davon übrig ist, festlich entgegen: zu feierlicher Begriißuug wird es dabei an Spiel und Gesang nicht gefehlt haben. Mit Miillenhoff (de poesi ohorica p. 9) ist anzunehmen, daß es den heiligen Wagen in geordnetcm Zuge in die Mitte genommen und zu sich heim geführt, der weiter ziehenden Göttin das Geleit gegeben habe. Während ihres Verweilens wurden wohl Opfer dargebracht, wie bei später-n ähnlichen Volksfesten die Metzger als Opferpriester hervor- gehoben werden; sie vertreten den presbytck .lovi n1actans. Dem im Wagen nmfahrenden Bilde des gotischen Gottes sollte geopfert werden, wie es in Schweden bei dem Umzuge Freys mit seiner jungen schönen Priesterin für Fruchtbarkeit desJahres geschah. Diese Priesterin hieß des Gottes Gemahlin, und es versprach fruchtbare Zeit, wenn sie guter Hoff- nung wurde. Keinen andern Sinn als den Sieg des Sommers hatten