Martin?-vogel. 505 Vogel, und ist dieser nur durch Verwecl)selung mit dem Martinsvogel für den rothhaubigen Schwarzspecht gehalten worden? Dies; ist um so wahrscheinlicher, als es sieh hier wieder ums Backen handelt und die rothe Haube der kargen Bäckerin ihr nur des Vogels wegen aufgeseht ist, während das mehlbestaubte Gefieder des Kucucks nicht erfunden zu werden brauchte. Der Kuckuck ist auch sonst noch, wie Mannhardt ausführt, wegen Kargheit übel berufen. Aber der Leser soll nicht um das Märchen von dem Schwarzspecht kommen, in dem wohl ein Mythus steckt: Als unser Herrgott mit Petrus aus der Erde wandelte, kamen sie zu einer Frau, welche saß und but; sie hieß Gertrud und trug eine rathe Haube aus dem Kopf. Miide und hungrig von dem langen Weg bat sie unser Herrgott um ein Stück Kuchen. Ja, das sollte er haben, sagte sie und knetete es aus; aber da ward es so groß, daß es den ganzen Backtrog ausfiillte. Nein, das war allzugroß, das konnte er nicht bekommen. Sie nahm nun ein kleineres Stück; aber als sie es ausgeknetet hatte, war es ebenfalls für. ein Almosen zu groß geworden: das konnte er auch nicht bekommen. Das dritte Mal nahm sie ein ganz kleines Stück; aber auch das Mal ward es wieder zu groß. so kann ich euch nichts geben", sagte Gertrnd: ,,Jhr müßt daher ohne Mundschmack wieder fortgehen, denn das Brot wird ja immer zu gros;." Da ereiferte sich der Herr Christus 11nd sprach: ,,Weil du ein so schlechtes Herz hast und mir nicht einmal ein Stückchen Brot gönnst, so sollst du dafür in einen Vogel verwandelt werden und deine Nahrung zwischen Holz und Rinde suchen und nicht öfter zu trinken sollst du haben als wenn es regnet." Und kaum hatte er die Worte gesprochen, so war sie zum Gertrudsvogel verwandelt und flog oben zum Schornstein hinaus und noch den heutigen Tag sieht man sie heru7nfliegen mit einer rothen Mütze auf dem Kopf und schwarz über den ganzen Leib; denn der Rufs im Schornstein hatte sie geschwärzt. Sie hackt nnd pickt beständig in den Bäumen nach Essen und zirpt immer, wenn es regnen soll, denn sie ist beständig durstig. Gebet. 133. Das Gebet ist mehr als eine an göttliche Wesen geriehtetc Bitte. Der urspriingliehe Sinn von Bitten ist Liegen, Niederfallen und die mit - dem Gebet verbundenen Gebärden der Selbstdcn1üthigung, die emporge- hobenen. oder ausgestreckten Arme, die gefaltenen Hände, das entblößte, geneigte Haupt, die gebogenen Kniee, das Niedcrstürzen zu den Füßen der,