Widernatürlirher Krieg. 1l7 so hätte es keinen Sinn, wenn der Seligen Saal davon besudelt werden soll. Es muß das Fleisch und Blut der im Krieg Erschlagenen gemeint sein, und da sonst die Germaneu den Krieg nicht verabscheuen, vielmehr gleichsam nur Kampf und Schlacht athmen, im ungerechten Kriege, im Kriege des Bruders gegen den Bruder. Daß dies; wirklich gemeint sei, zeigt sieh hier darin, daß Managarm den Mond nicht eher verschlingt bis Windzeit und Wolsszeit eingetreten sind und der Fimbul- Winter gekommen ist. Auf seine ,scharfen Winde' ist mit dem ,Wiithen aller Wetter- hingewiesen. In ihm offenbart sich zuerst das Mitgefiihl der Natur mit den Menschenlooßen. Wie diese Wölfe sich mit dem Mark gefällter Männer mästen, so wird auch Fenrir nach D. 34 (s. H. 39) von Tvr, dem Kriegsgott, ge- füttert, ein Wink, daß er hier nicht sowohl den Krieg überhaupt, dem, so weit er von der Sitte geboten wird, Odiu vorfteht, als vielmehr den ungere(hteu, widernatürlichen Krieg bedeutet, welcher Verwandte gegen Verwandte führt. Nicht also weil er der Kühnste ist unter den Göttern, wie D. 34 meint, füttert er dengFenrir, sondern ans dem tiefern Grunde, deHen sich die jüngere Edda nicht mehr bewnst war, wie ihr auch D. 12 das Verständniss der alten Symbolik ausging. Daß Tyr den Riesen verwandt ist, geht aus Hymiskwida hervor; ,den Menschen gilt er aber nicht für einen Friedensstifter", heißt es D. 25 in ähnlichen! Sinne. Jn Deutschland mochte Tyr (Zio) wie ursprünglich auch im Norden bedeu- tender hervortreten: in der E-dda spielt er nur eine untergeordnete Rolle: die Wöluspa läßt ihn nicht einmal an dein letzten Wettkampf Theil neh- men nnd wenn es Gylfaginuing (D. 51) thut, so wird sieh Z. 46 zei- gen, daß sie auch dabei von einem Missverftändniss ausgeht. Indem jene Wölfe Sonne und Mond verschlingen, machen sie selbst schon einen Anfang mit dem Untergange, und obgleich erst Feurir die volle Vernichtung bedeutet, so dürfen doch Wöl. 32 jene Wölfe als Fenrirs Geschlecht bezeichnet werden. Die nächste Folge des Verschlingens der Himmelslichter ist nun das Erdbeben, das so heftig ist, daß alle Ketten und Banden brechen und reißen. Von Loki, wißen wir, kommt das Erd- beben her: er wird also bei der Verfinfterung der Welt, die der Ausdruck ist für die Verfinsterung der Götter, die Verdunkelung der sittlichen Be- griffe, die Zeit feiner Befreiung gekommen fühlen und an feinen Feßeln riitteln, die auch wirklich, gleich denen Fenrirs, von der Gewalt des Erd- bebens brechen. Aber warum fühlte Loki die Zeit seiner Befreiung nicht skÜk)cr gekommen, warum gelingt ihm jetzt, fragen wir auch hier, was er sTÜher nicht vermocht hatte? Weil alle Bande gelockert sind durch die Allgemeine Entsittli(hnng, da selbst die festeften Bande, die Bande des Bluts, ihre Kraft verloren haben. Die Ketten und Bande, von denen