l16 Sittli(he Verwilderung. Brüder befehden sich und fällen einander, Gescl)wisterte ßeht man die Sippe brechen. Unerhdrtes eräugnet sieh, großer Ehbruch. Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen, Windzeit, Wolsszeit eh die Welt zerstiirzt. Der Eine schont des Andern nicht mehr. ,Da geschieht es, was die schrecklichste Zeitung dünken wird, daß der Wolf die Sonne verschlingt den Menschen zu großem Unheil: der andre Wolf wird den Mond packen und so auch großen Schaden thun und die Sterne werden vom Himmel fallen. Da wird sich auch eräugnen, daß so die Erde,bebt und alle Berge, daß die Bäume entwurzelt werden, die Berge zusammenstürzen und alle Ketten und Bande brechen und reißen. Da wird der Fenriswolf los n. s. w.' Man bemerke, wie unmittelbar hier ans den Bruch der Sippe das Vers(hlingen der Himmelslichter und Fenrir.s Befreiung folgt. Dem Fimbulwinter, wo die Sonne ihre Kraft verloren hat, und darum der Frost groß ist, gehen also, drei andere Jahre vorher, wo die äußerste sittliche Verderbniss herscht. Dem Germanen ist es der Gipfel der Verwilderung, wenn die Bande des Bluts, die ihm das Heiligste sind, nicht mehr geachtet und der Habgier zum Opfer gebracht werden. Erst in zweiter Reihe nach dem Bruch der Sippe wird der Ehebruch genannt, freilich auch er ein unerhörtes Unrecht. Hierin liegt nun die Antwort aus die Frage, was die Götterdämmerung herbeifiihre und die Feßeln Lokis Und FeUrits fprenge. Es ist die sittliche Verwilderung, welche die allgemeine Auflösung herbeiführt. Zuerst stellt sich nun die Verfinsterung der Götter, die wir als sittliche Mächte zu denken haben, äußerlich dar, indem Sonne und Mond von den Wölfen verschlungen werden. Von diesen Wölfen wißen wir schon, daß sie jene Himmelslichter verfolgen um sie zu verschlingen. Warum gelingt ihnen aber jegt was sie bisher nicht vermochten? Sie haben sich von dem Blut der in jenen drei Jahren durch den Bruch der Sippe Gesällten gemästet und dadurch so ungeheure Kraft erlangt. So wenigstens verstehe ich die D. 12 unbefriedigend er- länterte Str. 33 der Wöl. (vgl. Z. 13), wo es von Managarm heißt: Ihn mästet das Mark gesällter Männer, Der Seligen Saal besudelt das Blut. Der Sonne Schein dunkelt in kommenden Somn(ern, Alle Wetter wtithen: wißt ihr was das bedeutet? Den Untergang der Welt bedeutet ,es, und so oft die Wala fragt: Wißt ihr was das bedeutet? hat sie diese Antwort im Sinne, mit der hier der nahe Bezug der heranwachsenden Wölfe auf den Weltunlergang angedeutet ist. Nicht mit dem Blute ,aller Menschen, die da ster- ben', werden sie ge1nästet, wie I). 12 erläutert: wäre nur das gemeint,