58 Thryn1Bktvida. Stute, jenem Hengst entsprechend. Da wir den Hengst als NordIvind begriffen haben, so muß die Stute gleichfalls als ein Wind, und zwar als ein siidlicher, aufgefaßt werden. Indem nun die beiden Pferde sich nachlaufend im Walde hin- und herrennen, stellen sie den Wechsel und Wandel der Winde beim Anbruch des Friihjahrs dar. An dem Riesen- zorne, der den Baumeister ergreift, als er sieht, daß seine Arbeit vergeb- lich ist, erkennen nun die Götter erst klar, daß der Werkmeister, der ihnen gegen die Riesen eine Burg erbauen sollte, selbst Einer ihrer Feinde, der Riesen ist. Da rufen sie zu Th(3r, der bisher abwesend war, denn als somn1erlicher Gott der Gewitter konnte er bei dem Bau, der im Winter vorgenommen ward, nicht zugegen sein; jetzt aber, da nur noch wenige Tage bis zum Sommer übrig sind, ist Thör in der Nähe und bezahlt mit seinem Hammer, dem Blit;stral, den Baulohn: das erste Gewitter sprengt das Wintereis. Vgl. Uhland, Mythus des Thör, S. 105 ff. So weit dürfen wir den Mythus in Gedanken auflösen; mehr ins Einzelne zu gehen, scheint mir nicht räthlich. Odins windfchnelles Ross von zwei Winden erzeugen laßen, ist eine ansprechende Dichtung, auch wenn man bei seinen acht Füßen nicht an die acht Hauptwinde der Wind- rofe denkt; die Verdoppelung der Zahl dient wohl nur, die Schnelligkeit des Rosses zu steigern. Was seine graue Farbe betrifft, so hat man auch sie von seiner Abstammung hergeleitet, indem man den siidlichen Glutwind schwarz sein ließ wie der Rauch, den Nordwind aber weiß wie der Schnee, den er daherjagt. Aber die graue Farbe steht hier viel- leicht nur für die weiße, zumal in der deutschen Ueberliefcrung Odin als ,Schimmelreiter' zu erscheinen pflegt. Indem aber der sturmschnaubende Winterriese als Bläfer und zugleich als Baumeister aufgeführt wird, erinnern wir uns der Harfe Amphions, deren Klang das ßebenthorige Theben erbaute, was nach Schwarxz'a. a. O. gleicher Deutung unterliegt. Weitere Einbußen der Götter. M. The-ymskwida. Deutung. Mit dem Ablauf der goldenen Zeit und dem Verlust der Unschuld fällt wohl die Z(-ugung jener Ungethüme zusammen, von deren Fcßelung erst im nächsten Abschnitt die Rede sein kann; hier soll erst noch von an- dern Einb1is;en der Götter gehandelt werden, von welchen sich aber ergeben