II thus nur dadurch verschieden, daß He auf den Cnltns, meist auch auf die Cultusgötter keinen Bezug haben und freiwaltende Phantasie den mythifchen Gedanken verdunkelt, wenn auch keineswegs getilgt hat. Aber selbst jene schwankhaften Gefchichteu können, wenn sie alt sind, für my-. thische Anschauungen Zeugniss ablegen und in diesem Sinne dürfen wir auch aus der Erzählung vom Schneekinde Gewinn ziehen. Ja einem Buche über deutsche Mt)thologie wird man einen Artikel über den Aberglauben vermissen. Zwar sind fast in jedem H. aber- glänbische Meinungen des Volks angeführt, der Aberglaube selbst aber muß hier zur Sprache kommen. Zunächst bin ich mit Grimm Myth. 1059 einverstanden, daß nicht der gesamte Jnhalt des heidnischen Glaubens dar- unter zu verstehen sei, der doch -dem Christgläubigen als ein Wahn, ein falsiher Glaube erscheinen muß, sondern die Beibehaltung einzelner Gebräuche und Meinungen. -Wenn er dann das Wort für Ueberseyung des lateini- schen superstitio nimmt und als Ueberglanbe deutet, so kann er dafür anführen, daß fiel) auch in andern deutschen Dialekten Nachbildungen jenes superstitio finden, wie das niederdentsche big16ve-, das ist. 11iatrü; ja das niederländische das dänische over-tr6 könnten im Deut- schen den Uebergang von Ueberglaube in Aberglaube begünstigt haben; zugleich mochte es aber auch als Wieder glaube verstanden werden: der Abergliiubige glaubt wieder was er in der Taufe zu glauben abge- schworen hat. Darum heißt der Aberglaube auch Unglanbe und schwacher Glaube, vgl. Haupt zu Erekk 8lv39. Gerade nur solcher Wiederglaube ist für die Mythologie fruchtbar. Auch für den. Aber- glauben hat man neuerdings Sammlungen angelegt; die reichhaltigste findet sich im Anhange zur 1sten Ausgabe der Grin1mschen Mythologie; Vieles haben Wolf nnd Panzer l, 256 ff. 1I, 256 ff. nachgetragen, Einzelnes auch Zingerle in Sitten, Bräuche nnd Meinungen, und Birlinger Volksthümlithes l, 468 sf.; dessen Aus Schwaden l, S. 374 ff. nnd Alemannia I, 194--199 ff. Als Ergänzung dieser Sammlungen ist der ,Medicinische Vvlksglaube und Volksaberglaube ans Schwaden- von Dr. M. R. Blick, Ravensburg 1865 zu betrachten. Hier sieht man deutlich, daß alle obrigkeitlichen Velehrungen und Verbote nichts gegen den Aberglauben ausgerichtet haben. Die Schuld lag aber zum Theil an ihnen selbst. Unsere neuern Samn1lnngen wollen die Gebildeten nur mit dem Aberglauben bekannt machen, weil er auf den ältern Götter- glauben, von dem er ein 11eberbleibsel ist, Riickschlüße verstattet; die ältern warnen davor und verbieten ihn; dabei sind He selber nicht frei davon. So heißt es P. Il, 263: ,Merck: kresstig wurczen vnd edel gestain mag man an (ohne) Sündt wohl nuczen vnd pravchen"; bei dem Verbote Amts- lete w. zu tragen findet üch mehrfach der Vorbehalt: ,außer was von