82 IlI. Bildung und Charakteristik der Formen. Thurm, beide sehr steilen Phramiden nachgebildet, gehören zu den vollendetsten Erzeugnissen der Baukunst, wie andererseits der flach dreieckige griechische Giebel die harmonievolIste aller Be: deckungsformen darbietet. Durch Anordnung von verschiedenen Ausladungen, als Akroterien, Giebelblumen u. dgl. kann übri: gens die den schiefen Linien innewohneude Unruhe wesentlich gemildert werden. Daß mittlere, dem Winkel von 45 Graden verwandle Nei: gungen den Charakter der Unruhe in viel höherm Grade an sich tragen als steile oder flache, rührt zum Theil daher, weil solche Linien in dem Beschauer das Gefühl der Unsicherheit erwecken: man bleibt im Zweifel, ob die von mittelschiefen Linien um: schlossenen Formen sich aufrichten oder zusammenfallen wollen. Auch nehmen derartige Flächen das Licht am gleichmäßigsten auf und sind dem Schattenwechsel am wenigsten zugänglich. Es mag die Sonne am Firmament stehen wo immer, ein im Winkel von 45 Graden ansteigendes Dach wird stets monotoner aussehen als das flache griechische oder das steile gothische Dach unter derselben Beleuchtung. RccJIccky Würfel, Balken. Das rechteckige Viereck nimmt unter allen Bauformen den ersten Rang ein, mag es nun als gleichseitiges reguläres Qua: drat, als ParalIelogramm, oder in Verbindung mit andern Formen austreten. CVon den verschobenen Vierecken, Rhomben und Rhomboiden kann hier. keine Rede sein, diese Figuren be: stehen aus Dreiecken und sind nach den oben erklärten Regeln zu würdigen.J Dem gleichseitigen regulären Viereck, vorzugsweise Quadrat genannt, ist sowol im Grund: wie Aufrisse etwas Abgeschlossenes eigen: es gewährt der Phantasie wenig Spielraum und weist zugleich aus den Mittelpunkt hin, weshalb quadratische Gemächer weniger wohnlich sind als längliche. Für Wohn: und Speise: zimmer empfiehlt sich das Quadrat nicht, desto mehr für Vor: hallen, Cabinete, Treppenhäuser und ähnliche mehr oder minder selbständige Räumlichkeiten. Große Vauwerke mit quadratischen