Co11eil zu Das Pisa. 591 Reich anerkannt wurden. Das Pisaner Concil, von Car: dinälen ohne den Papst berufen, bildete eine Epoche in der Geschichte der Kirche. Vom canonischen Standpunct ans war es ein Art offenbarer Rebellion gegen den Papst, und es verwickelte sich von vornherein in die grellsten Widersprüche. Die 23 Cardinäle, welche es veranlaßten, hatten ihrem Papst, hier Gregor XII., dort Benedikt X1I1. den Gehorsam aufgesagt, und verlangten dennoch, daß er sie als seine An: kläger und Richter zugleich anerkenne; und sie bildetest end: lich dies Collegium aus Richtern, von denen der eine Teil den andern für schismatisch hielt.1 Aber die Christenheit, neben jenen Cardinälen durch Abgeordnete repräsentirt, an: erkannte einen revolutionären Entschluß und erhob sich zum ersten Mal in allen ihren Ständeu, um ein Tribunal zu bilden, vor welches sie das Papsttum zog. Der GrnndsaH des be: riihn1ten Gerson, daß die Kirche auch ohne den Papst Kirche sei, und daß dieser unter dem Coucil stehe, wurde auf der Versammlung von Pisa zur Anerkennung gebracht. Dies war der erste große thatsächliche Schritt zur Befreiung der Welt von der mittelaltrichen Papst:Hierarchie; es war bereits die Reformation. Die Synode zu Pis a constituirte sich als ein christlicher l Die Bischi5se von Riga, Werden nnd Worms erklärten das Concil für unbes11gt. Sie beschwerten sich zumal, daß die Zustimmung des Königs der Römer nicht nac;gesucht sei. Sie fragten die Eardinäle: Si dubjtant. de Papatu Gregorii, quare simi1i rati0ne non d11lJitnnt de Su0 mirs dinalatnP Die Boten iicscrreichten ihre dahin schriftlich an1 19. April, protestirteu im Namen des römischen Königs, appelIirten an ein ökn1uenis Weis Concil, nnd verließen Pisa am 21. Raynald n. xlIl. sq. Der An11alist der Kirche hat, wie S. Antonin, das Concil von Pisa für uns canoniseh erklärt, nnd Gregor den XIl. als rechtmäßigen Papst bis zu seiner Abdanknng anerkannt.