Der Papst ufurpirt die Rcichsgewalt. 111 so mußte notwendig daraus folgen, daß alle Neichsfiirsten und Lehnleute der Krone dem Papst als ihrem weltlichen Gebieter den Treueid leisteten nnd Tribut zahlten, daß die Erteilung von Würden nnd Lehen im Reich an den Papst fiel, und überhaupt. alle civilen Angelegenheiten vor sein Tribnnal gezogen wurden. I Das sichere Afyl in Frankreich Und der Rückhalt an diesem Königreich, dessen Diener sie waren, machte die avignonischen Papste den Kaisern gegen: über herausfordernder, als ihre größesten Vorgänger es gewesen waren; Johann XX11., von Frankreich und Neapel angetrieben, wagte bald mehr gegen Ludwig den Baiern, als Bonifacius VlII. gegen Philipp den Schönen gewagt hatte. Seine BulIe fand lebhaften Widerspruch, aber das größeste Haupt der Ghibellinen in der Lombardei, Matheus Visconti, legte den Titel des Vicars ab, und nahm statt dessen aus Klugheit die Würde eines Gcneralsignor in Mai: land vom Volke an, während Can della Scala fortfuhr, sich für Friedrich von Oesterreich, dem er gehuIdigt hatte, Vicar des Reichs in Verona und Vicenza zu nennen. Der Anspruch des avignonischen Papsts auf die Reichs: verwaltung war eine um so größere Anmaßung, als er sie auch ans die deutschen Verhältnisse ausdehnen wollte. Ein so rechtloser Uebermut mußte unfehlbar erbitterten Krieg mit dem Oberhaupt des Reichs zur Folge haben. Doch damals vermochte Ludwig noch nicht dem Papst entgegenzutreten,