108 Neuntes Buch. Capitel. Drittes Seine Anhänger stiegen nicht in den Abgrund eines dichteri: schen Gemüts hinab, dessen Überirdische Extase unerfaßbar war; sie gaben einem Reich tiessinniger jenseits der Welt schwebender Entziickungen eine rohe äußerliche Gestalt; sie forderten die Erhebung eines idealen enthusiastischen Daseins in der Freiheit der Seele zu einem geregelten Mönchsstaat, worin die Armut, als mysiische Königin, unter Hymnen singenden Bettelbriidern auf einem goldenen Trone saß. Diese geschäftigen Jiinger eines Heiligen konntest indes; die menschliche Gesellschaft nicht reformiren; die Entbehrnng ist erfinderisch und revolutionär, aber die Armut ohne sie kein reformatorisches Princip: sie konnten nur einen wandernder: Vruderorden darstellen, ohne einmal zu ahnen, welchen Einfluß er auf die Gesellschaft haben würde. Sie trieben ihren Heili: gen, der kein Philosoph, kein Theoretiker, sondern ein naives Kind Gottes war, dazu an, ein Gesetzgeber zu sein. Die Kirche untersagte die Gründung neuer Regeln, weil der lMönchsorden schon zu viele waren, und alle verweltlicht und abgenußt; daher wurde es S. Franciscns oder feinen Jiin: gern nicht leicht, durchzudringen. Er fand jedoch in Rom mächtige Freunde, die edle Jacoba de Septemsoliis vom Haus der Frangipani, den reichen Cardinal Johann Eolonna, den leidenschaftlichen Cardinal Hugolin, seinen eifrigsten BeschiiHer, nachmals Papst Gregor IX., ferner den hochangesehenen Matheus Rubeus vom Haus Orsini, den Vater des späteren Papsts Nicolaus III. Jnnocenz, der Mann des großen praktischen Verstandes, erkannte die Bedeutung des entstehen: den Bettlerordens nicht. Ahnte er vielleicht die Gefährlich: lett eines Princips, welches der weltlichen Macht der Kirche entschieden feindlich wars Es gibt keine,größeren Gegensätze