Das X1ll. Jahrhundert. der schönsten Blüten des Mittelalters, nnd der rastlosen Werkstätten einer neuen Civilisation. Italien blühte noch einmal selbständig in seinen Demokratieen aus, und fiel noch: 1nals in das tiefste Elend, sobald diese herrlichen Freistädte abgebliiht waren. Die Beschränkung des Staats auf die Stadt, der Nation auf das communale Vtirgertum.ist jedoch ein sehr unzulänglicher Zustand, in welchem das Höhere nicht ansgedrüät werden kann. Es bildeten sich Städte: conföderationen wie im Altertum, aber ihre Erweiterung zu einer allgemeinen italienischen Eidgenossenschast war und blieb unmöglich. Das noch immer hereinrage1cde Reich nnd das mit einem Staat ausgerüstete Papsttum hinderten dies, und die Kirche, welche die Unaussiihrbarkeit der gnelfischen Idee von einer päpstlichen Theokratie Italiens erkannte, ver: eitelte jede Vereinigung bald durch die Gründung einer fran: zösischen Monarchie im Süden. Gleich unfähig, die politische Nation zu schaffen, fielen die Städte in das lieschrä11kteste Sonderwesen. Der energische Parteitrieb, der ihr Staats: leben wach erhielt, ein Ausdruck von: Bediirsniß eines Syn1: bols für einen allgemeinen politischen Cnltus, ergriff den GegensaH von Kirche und Reich, nnd schuf die weltgeschicht: lichen Factionen der Gnelfen und GhibelIinen. Die verhinderte Nationaleinigung machte die Lebenssäfte, welche nicht, wie im antiken Jtalien, in Hellasnnd in Sicilien, durch Colonisation abgeleitet wurden, in engen Kanälen stocken, und nach dem Er: löschen des befruchtenden und befreienden Weltkampfs.zwischen Kirche und Reich mußten die von Kraft strotg,enden Städte im wütenden, kleinlichen Klassen: nnd Biirgerkrieg sich auskämpfen, woraus sich mit Notwendigkeit erst die Pöbelherrschaft, dann die Stadttyrannis, endlich das Kleinfiirstentnm ergab.