314 Berha11dlungen Die sein; jedenfalls war diese Ankiindignng eine voreilige gewesen. Erst dreiviertel Jahre später, im December l753, verlantet wieder etwas von der Sache: aber hier ist der entscheidende Schritt ferner gerückt, als iu1 März. Ein Brief von Berendis hat ihn ,,sehr bestürzt gemacht.H Die Ver: handlnng ist schon kein Geheimnis; mehr: ein Mensch, der sich um die Stelle des abgegangenen Dressel an der gräflichen Bibliothek gemeldet, ein Jtaliener, hat es Biinan verrathen. Winckelmann aber will das Geheimniß noch wah: ren: er antorisi1t Berendis, ,,11autement zu sagen, der Herr sei schlecht berich: tet gewesen.U Alles sei nur gefolgett ans einigen Adressen, die er sich, des Zu: tritts zur Gallerie, halber gemacht: im Hause des Jnspeetors Riedel habe er den Beichtvater getroffen, auch ein paarmal besucht; woraus aber nichts zu schließen sei: denn der Pater sei ein liebenswürdiger Mann l,,wobei Du sei: neu Character machen kannst so aimable, als du willstUJ. Damit Berendis dies; alles mit besserem Gewissen sagen könne, theilt er ihm mit, daß Rauch aus Grodno vom 24. October zwar schreibe, ,,das3 nach Briefen ans Rom die Sache so gut als gewiß sei snt neg0tinm c0nfectum c1ic:i p0ssitJ; dies; heiße aber nur, ,,ich soll nicht ungeduldig werden. Wie könnte ich also danach die geringsten Mesures nehmen, oder gar davon reden. Es kann noch viel dazwischen kommen, wenn sonderlich die Conditiones nicht annehmlich sind.H Berendis will, wie es scheint, von dem allen nichts wissen: er stellt ihm vor, man müsse gegen den Herrn mit der Sprache herausgehn; schildert aber zugleich die zu erwartende Aufnahme in einer Weise, die Winckelmann zum etstenmale in ernstliche Unrnhen über sein Vorhaben stürzt. Seine eigenen freundschaftlich:ernsten Vorstellungen fügt er hinzu. In der Antwort vom 6. Januar 1753 bricht diese Unruhe in den leb: haftesten Ergießungen hervor. ,,Niemals ist mir ein Brief saurer als dieser geworden. Ich befiirchte endlich, nach so vielfältigem Widerrathen Deinen Zorn nnd Ungnade Du hast mir gerathen als ein Freund, als ein Vater seinen Kindern rathen kann. Die Gründe, die Dir ein Herz voll Zärtlichkeit, voll wahrer Treue dietiit, haben mich mehr, als mir selbst lieb war, überzeugt, das; meine Veränderung sehr sorglich sei. Oft verwerfe ich, was ich ver: langt, dann verlange ich wieder, was ich verwerfe. Seh bin.in großer Un: ruhe. Die Sache ist zu weit gckonn,nen.U Göthe bemerkt hierzu: ,,Wir können nach unserer Ueberzeugnng, nach ge: nugsam erwogenen Gründen, endlich einen Entschluß fassen, der mit unserm Wollen, Wünschen und Bedürfen völlig harmonisch ist, ja zur Erhaltung und Förderung unserer Existenz unansweichlich scheint, sodaß wir mit uns völlig zur Einigkeit gelangen. Ein solcher Entschluß aber kann mit der allgemeinen Denkweisc, mit der Ueberzeugung vieler Menschen im Widerspruch stehen; dann beginnt ein neuer Streit, der bei uns zwar keine Ungewißheit, aber Lille Un: