112 ist, wenn sie nicht in der winterlichen Atmosphäre unserer Zeit crfriereu soll. Vielleicht wird auch diese edle Pflanze einmal wieder durch milde Frühlingsliifte augehaucht, und dann mag es Zeit sein, die Akade1nien für überflüssig zu er: kläre11.U ,,Allerdings,U fiel der Alte ein, ,,verhält sich die Kunst jetzt wie ein in fremdes Kli1na Versetztes tropisches Gewä6hs.U Wo ist sie denn eigentlich zu Hause,H fragte sein Enkel: töchterchen, ,,wo kommt sie denn herP GroßpapaPH ist das Mädchen aus der Fremde, mein Kind ,U ers wied erte der Alte, ,,wclches der große Schiller besingks Sie dem Lande der Poesie bisher die Geographen kommt aus nur können und der guten Gedanken; leider weder die Lage ihrer Hcimath her sagt genau angeben, noch den Weg dahin bezeichnen, da: der Dichter auch: Man wußte nicht, woher sie kam.U Das vierzehnjährige Mädchen fah den Alten erstaunt und fragend an, und er fuhr fort: ,,Jch will es dir zu erklären versuchen, so weit ieh es selbst zu fassen vermag. Ehe der Mensch durch Ungehorsam gegen die Gebote Gottes in den siindigen Zustand verfiel, lebte er in jenem Lande, wo die Poesie und Kunst heimisch sind. Seine angeborene Natur war das Leben im Guten und Schönen; erst als er durch die Schuld des Ungehorsams aus diesem seligen Orte vertrie: lieu wurde, erkannte er den unendlichen Werth des verlorUen Schatzes, durch die Sünde die Tugend, dureh die Häßlichkcit die Schönheit, durch das innere Elend den inneren Frieden. Seit jener Zeit lebt in dem Herzen des Menschen eine unbe: friedigte Sehnsucht, in diesen seligen Zustand zurückzukehren, nnd wenn du ein schönes Kunstwerk siehst, ein schönes Gedicht, oder eine schöne Musik verninnnst, so sind alle diese Dinge