B11Cbs Sicbentco entscheidendsten, die je in dem Leben der europäischen Nationen vorgekommen, macht den Gegenstand dieses Buches aus. Daß die hierarchische Gewalt, die bisher den Mittelpunct derselben gebildet, die Normen des Glaubens gegeben, auf alle weltlichen Einrichtungen nnd Zustände beherrschenden Einfluß ausgeübt hatte, von einem Theile ihrer Gliiubigen und zwar in der deutschen Nation, die ihr immer besonders ergeben ges wesen, verworfen und verlassen ward, mußte, wenn es dabei blieb, eine unermeßliche Veränderung im Reiche der Jdeen, so wie in den politischen und bürgerlichen Verhältnissen eine neue Welt hervorbringen. Wir haben gesehen wie sich dieß Ereigniß vorbercitete und unvermeidlich wurde: wir haben auchnicht verhehlt, welche Ges fuhr damit eintrat, wie nothwendig es war, daß die Führer der Bewegung mitten in dem Sturme den sie hervorgerufen, doch nicht weiter gingen, als ihr Vorhaben unbedingt erheischte. Dennidarauf wird es. in dem Wechsel der Zeiten immer ankommen, daß die einmal.gsewonnene Grundlage der Cultur unverletzt bleibe, daß die wesentlichen Resultate, zu denen es die vergangenen Geschlechter gebracht, Von einem Jahrhundert dem andern überliefert, werden, Die Reformatioren hielten sich selbst in der Religion, in Bezug auf den Ritus sowohl als auf die Lehre, bei aller Abs weichung von den Satzungen der Hierarchie, dem Herkömmlichen doch so nahe, als es mit den Urkunden des Glaubens, aus die sie zuriickgingen, nur immer vereinbar schien; auf dem Boden der Bildung und .Gelehrsamkeit der lateinischeu Christenheit überhaupt finden wir sie nicht allein in theilnehmender, sondern in eigener schöpferischer Thätigkeit. Um sie her erhoben sich, längst in der Tiefe wirksam, und nun durch die gewaltige Erschütterung plötzlich. entbunden, sss sdestructive Tendenzen in einer für das Jahrhundert besons ders verführerifchen Vermischung religiöser und politischer Fors merk, und bedrohten die gebildete Welt mit allgemeiner Auflös sung und Umkebruug. Die Reformatoren hatten Besonnenheit und Selbstbewußtsein genug, um sich denselben vom ersten Augenblick an zu widersetgen.. Immer sehen wir Luther seine