488 Buch Staat und Hof. Erscheinungen. Doch war die letzte, die wissenschaftlichere Richtung, schon iiberwiegend. Schon ward ein Versuch ge: macht das Pflanzenreich rationell abzntheilen: in Padua lebte ein Professor, den man den Col1nnbus des menschlichen Leibes nannte. Auf allen Seiten strebte man weiter: die Werke des Alterthnms schlossen die Wissenschaft nicht mehr ein. folgte, wenn ich nicht irre, von selbst, daß das Studium der Antike, dem man sich in Hinsicht des Ob: jects nicht mehr mit voller Hingebung überlassen durfte, auch in Hinsicht der Form nicht mehr die Wirkung hervor: bringen konnte, die es früher gehabt. Jn den gelehrten Werken fing man an, es auf die Anhäufung des Stoffes abzusehen. Jm Anfang des Jahr: hnnderts hatte Cortesius das Wesentliche der scholastischen Philosophie, so unfiigsam es sich auch zeigen mochte, in einem wohlgeschriebenen classischenWerke, das voll von Geist u11d Witz ist, mitgetheilt: jetzt stellte ein Natal Conte einen antiken Stoff, der die geistreichste, großartigste Behandlung zugelassen hätte, den inythologischen, in einem ungeniesi3baren Qnartanten zusammen. Dieser Antor hat auch eine Geschichte geschrieben: die Sentenzen, mit denen er sein Buch ansstattet, leitet er fast immer unmittelbar aus den Alten her nnd ci: tirt die Stellen: doch ist er dabei von allem Sinn für ei: gentliche Darstellung entfernt geblieben. Es schien den Zeitge: nosfen schon hinreichend das Material der Thatsachen in Massen anfznhcinfen. Man darf sagen, ein Werk wie die Annalen des Barouius, so ganz formloss: lateinisch, aber ohne Spur von Eleganz selbst nur im einzelnen Ausdruck wäre im Anfange des Jahrhunderts nicht einmal denkbar gewesen.